08.01.13

Hamburg

Hilfe von Geburt an: Senat will Familien früher unterstützen

Probleme bei Familien mit Kindern sollen frühzeitig erkannt werden. Künftig kommen Babylotsen und Familienteams zum Einsatz.

Foto: dpa
Familienhilfe
Eine Hebamme besucht eine Mutter und ihr wenige Tage altes Baby (Symbolbild)

Hamburg. Der Hamburger Senat will bedürftige Familien mit Kindern früher erreichen und unterstützen. Dazu beschloss er zahlreiche Maßnahmen, um die Zusammenarbeit von Familienhilfe und Gesundheitswesen zu stärken: Unter anderem werden in den Geburtskliniken sogenannte Babylotsen Fragebögen auswerten, in denen alle Mütter Antworten zu möglichen gesundheitlichen und sozialen Problemen geben können. Wird Hilfe benötigt, wird ein regionales Familienteam – bestehend aus Hebammen und Beratern – für die passenden Hilfsangebote sorgen und darauf achten, dass die Kinder an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen.

"Wir wollen alle Hamburger Familien mit Neugeborenen erreichen und Problemlagen erkennen, bevor diese eskalieren und sich verfestigen", sagte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung des Konzeptes "Frühe Hilfen: Guter Start für Hamburgs Kinder". Es soll bestehende Hilfsangebote ausbauen und besser aufeinander abstimmen. "Kein Kind soll verloren gehen", erklärte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). In Hamburg kommen pro Jahr mehr als 19.000 Babys zur Welt. Für den Ausbau der "Frühen Hilfen" stellt der Bund Mittel zur Verfügung. Hamburg bekommt in diesem Jahr 1,14 Millionen Euro und 2014 bis zu 1,3 Millionen Euro. Die Gesundheitsbehörde in der Hansestadt gibt zusätzlich 1,8 Millionen Euro.

In Hamburg hatten immer wieder traurige Schicksale von Kindern für Schlagzeilen gesorgt: Im Stadtteil Wilhelmsburg kam 2009 das neun Monate alte Baby Lara Mia ums Leben. Das Mädchen war unterernährt, die genaue Todesursache konnte nicht geklärt werden. Die elfjährige Chantal starb vor einem Jahr an einer Überdosis der Ersatzdroge Methadon. Sie lebte bei drogenabhängigen Pflegeeltern. Pannen bei Jugendämtern kamen dabei ans Licht. Seither zog die Sozialbehörde eine ganze Reihe von Konsequenzen, damit sich ein solcher Fall nicht wiederholen kann und die Chancen für Kinder von Geburt an verbessert werden.

Die FDP-Fraktion begrüßte den Ausbau früher Familienhilfen grundsätzlich. Eltern dürften jedoch nicht unter Generalverdacht gestellt werden, erklärte der familienpolitische Sprecher Finn Ole Ritter. "Sinnvolle Hilfsangebote dürfen nicht zu einer Totalüberwachung führen." Die FDP-Fraktion werde deshalb einen genauen Blick darauf werfen, ob der Grundsatz des Sozialdatenschutzes gewährleistet bleibe.

(dpa)
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