04.01.13

Arbeitsmarkt

Hamburg ist auf der Suche nach Ingenieuren

Es gibt zu wenige Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt. Projekte können nicht umgesetzt werden. 40 Prozent der Ausschreibungen erfolglos.

Foto: pa/Stephan Goerl/dpa
Baugrund-Belastungstest
Ein Bauingenieur bei der Arbeit

Hamburg. Aufgrund fehlender Fachkräfte hängen viele städtische Projekte hinter dem Zeitplan. Das bringt die Hamburger Verwaltung zunehmend in Bedrängnis. So verzögere sich die Sanierung des Hamburger Straßennetzes, weil es bei den Bezirken an Ingenieuren fehle, sagte Susanne Meinecke, die Sprecherin der Wirtschaftsbehörde, am Freitag in Hamburg. Auch kommunale Unternehmen wie zum Beispiel die Hafenbehörde HPA, der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer oder der Landesbetrieb Verkehr hätten große Probleme, freie Ingenieursstellen zu besetzen. 40 Prozent aller Ausschreibungen für Bauingenieure blieben erfolglos.

Der Bürgerschaftsabgeordnete Till Steffen von den Grünen macht dafür die Stadt selbst verantwortlich. "Die Gehälter für Tiefbauingenieure sind nicht konkurrenzfähig, so dass viele Stellen unbesetzt bleiben", sagte er. Die Grünen hätten deswegen in den Haushaltsberatungen einen Antrag eingebracht, der fordert, die Berufserfahrung außerhalb des öffentlichen Dienstes bei der Vergütung zu berücksichtigen. "Die Ingenieure der Stadt tüfteln an der unsinnigen Busbeschleunigung und die Bezirke finden wegen der unattraktiven Vergütung keine Planer", monierte der Oppositionspolitiker. Die Probleme seien hausgemacht.

Ein Ingenieur verdient als Berufsanfänger jährlich 35.000 bis 40.000 Euro. "Uns ist nicht bekannt, dass kommunale und andere öffentliche Arbeitgeber bei jungen Ingenieuren einen schlechteren Ruf hätten als Unternehmen der Privatwirtschaft", sagte Marco Dadomo vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Auch Meinecke erklärte, der Mangel an Ingenieuren habe nichts mit der Attraktivität der Stadt als Arbeitgeber oder mit der Bezahlung zu tun. Der öffentliche Dienst zahle vielleicht schlechter, habe aber gegenüber der Privatwirtschaft andere Vorteile wie die hohe Arbeitsplatzsicherheit oder flexiblere Arbeitszeitmodelle.

"Die Ingenieure gehen nicht woanders hin", sagte die Sprecherin. "Es gibt sie einfach nicht." Daran hätten auch verschiedene Initiativen der Stadt wie das duale Studium Bauingenieurwesen beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer nichts geändert. Nach Angaben der Initiative "Think Ing" sind bundesweit mehr als 80.000 Ingenieursstellen nicht besetzt, davon knapp 16.000 im Bereich Bau, Vermessung und Gebäudetechnik. Die verschiedensten Branchen der Privatwirtschaft klagen bereits seit Jahren über den Mangel an Ingenieuren. Viele bemühen sich verstärkt um Fachkräfte aus dem Ausland, zum Beispiel aus den südeuropäischen Ländern.

(dpa)
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