29.12.12

Jahresrückblick

Diese Geschichten bewegten 2012 die Stadt Hamburg

Vom Schicksal der kleinen Chantal über den Streit um die Elbphilharmonie bis zur Rocky-Premiere: Ein bewegtes Jahr für Hamburg.

Foto: dapd, Fabricius Montage:HA
Prägten das Jahr 2012 in Hamburg positiv wie negativ: Die Elbphilharmonie bleibt Streitthema Nummer eins, das Musical "Rocky" feiert indes seine Weltpremiere im Operettenhaus
Prägten das Jahr 2012 in Hamburg positiv wie negativ: Die Elbphilharmonie bleibt Streitthema Nummer eins, das Musical "Rocky" feiert indes seine Weltpremiere im Operettenhaus

16. Januar: Die elfjährige Chantal stirbt in der Obhut ihrer drogensüchtigen Pflegeeltern in Hamburg-Wilhelmsburg an einer Überdosis der Heroin-Ersatzdroge Methadon. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die zuständigen Behörden geraten unter Druck. Erst muss die Chefin des zuständigen Jugendamts, Pia Wolters, ihren Platz räumen. Am 10. Februar tritt auch der Chef des Bezirksamts Mitte, Markus Schreiber (SPD), zurück. In einem Sonderausschuss der Bürgerschaft wird der "Fall Chantal" aufgearbeitet.

18. Januar: Stabwechsel bei der Hamburger Polizei: Wolfgang Kopitzsch, bisher Leiter des Bezirksamts Nord, ist neuer Polizeipräsident. Seinen Vorgänger Werner Jantosch schickte Innensenator Michael Neumann (SPD) in den vorzeitigen Ruhestand.

24. Januar: Statt mit Sex müssen Freier in Hamburg-St. Georg nun mit einer Strafe rechnen. Wenn sie dort eine Prostituierte ansprechen, wird eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro fällig. Der Senat beschließt eine sogenannte Kontaktverbotsverordnung.

2. Februar: Er sollte Licht ins Dunkel beim Chaos der Elbphilharmonie bringen. Doch Ex-Bürgermeister Ole von Beust glänzte vor dem Untersuchungsausschuss vor allem mit Erinnerungslücken. "Als Bürgermeister war ich für alle Entscheidungen politisch verantwortlich – für die guten wie die schlechten. Und zu den guten gehört auch der Bau der Elbphilharmonie. Ich würde die Entscheidung heute wieder so treffen", sagte von Beust. Einen Schuldzuspruch lasse er jedoch nicht gelten. Er habe weder "vorsätzlich oder fahrlässig" Schäden verursacht, sagte der 56-Jährige im Festsaal des Rathauses.

9. Februar: Mit einer Ausstellung zu ihrem Spätwerk ehrt die Hamburger Kunsthalle die Jahrhundertkünstlerin Louise Bourgeois (1911-2010). In ihren Arbeiten setzt sich die französisch-amerikanische Bildhauerin mit existenziellen Themen wie Angst, Abhängigkeit, Erinnerung, Sexualität, Liebe und Tod auseinander. Die berühmte "Maman" (1999) – eine über neun Meter hohe, überdimensionale Spinne aus Bronze, Stahl und Marmor – steht mehr als vier Monate lang auf dem Außenplateau der Kunsthalle.

13. Februar: Der Vorsitzende der Hamburger FDP, Rolf Salo, tritt aus "persönlichen Gründen" – wie er sagt – überraschend zurück. Der 62-Jährige hatte die FDP nach sieben Jahren außerparlamentarischer Opposition 2011 wieder in die Bürgerschaft geführt. Salo war seit 2009 FDP-Vorsitzender. Auf einem Parteitag im März wird die Bundestagsabgeordnete Sylvia Canel zu seiner Nachfolgerin gewählt. Sie setzt sich nur knapp gegen den bisherigen Parteivize Gerhold Hinrichs-Henkensiefken durch.

24. Februar: Hamburgs Ballett-Intendant John Neumeier denkt auch mit 70 nicht ans Aufhören. "Ich denke, es liegt daran, dass ich es eigentlich aus Liebe mache", erklärte Neumeier seine unerschöpfliche Kreativität. Seit 40 Jahren leitet der gebürtige Amerikaner das Hamburg Ballett, das er zu Weltruhm führte. Seine Choreografien kennen Ballettfans auf der ganzen Welt, insgesamt hat er rund 140 Werke kreiert, darunter Neuinterpretationen von "Romeo und Julia", Biografien wie "Nijinsky" oder "Die dritte Sinfonie von Gustav Mahler".

2. März: Ermittler durchsuchen die Wohnungen von 17 mutmaßlichen Mitgliedern der rechtsextremen Gruppe "Die Unsterblichen" in Hamburg und Niedersachsen. Sie sollen am 17. Dezember 2011 schwarz gekleidet und mit weißen Totenmasken an einem illegalen Fackelzug durch Hamburg-Harburg beteiligt gewesen sein. Bei den Durchsuchungen werden auch Gas- und Schreckschusswaffen sowie möglicherweise Sprengstoff-Substanzen wie Pulver und Böller beschlagnahmt.

27. März: Die Mieten und Wohnungspreise in Hamburg steigen seit Jahren steil an. Die Landesbausparkasse (LBS) räumt ein, dass sie die Entwicklung falsch eingeschätzt hat und meldet einen erneuten Anstieg der Preise für Wohnimmobilien im Großraum Hamburg um bis zu 13,5 Prozent. Erwartet hatte die LBS dagegen eine Stabilisierung. Günstige Mietwohnungen sind in Hamburg kaum noch zu bekommen; selbst in weniger beliebten Stadtteilen ist der Markt eng. Der Senat strebt den Bau von 6000 neuen Wohnungen pro Jahr an, hinkt zunächst aber hinter diesem Ziel zurück. Außerdem macht sich der Senat dafür stark, Mietsteigerungen zu begrenzen und Maklerkosten vom Mieter auf den Vermieter zu verlagern.

28. März: Die Hamburgische Bürgerschaft gibt Grünes Licht für eine Erhöhung der städtischen Anteile an der Reederei Hapag Lloyd. Die SPD setzt das Geschäft über 420 Millionen Euro mit dem Touristikkonzern Tui zusammen mit den Linken durch. CDU, GAL und FDP kritisieren die Erhöhung der städtischen Anteile von 23,6 auf 36,9 Prozent scharf. Nach ihrer Ansicht ist das Geschäft zu riskant, nicht notwendig und vom Senat zu überhastet angegangen worden. Der SPD-Senat will Hapag Lloyd mit der deutlichen Erhöhung der städtischen Anteile vor einem "globalen Monopoly" durch internationale Investoren bewahren.

13. April: Die Metropolregion Hamburg profitiert überdurchschnittlich von der deutschen Energiewende und entwickelt sich zum europäischen Zentrum der Windenergiebranche, ergibt eine Studie. Die Branche sei sehr viel schneller gewachsen als gedacht, sagt Jan Rispens vom Cluster Erneuerbare Energien. Das bereinigte Beschäftigungswachstum in den Bereichen Windenergie, Sonnenenergie, Biomasse, Erdwärme oder Wasserkraft betrug von 2008 bis 2011 rund 56 Prozent. Insgesamt arbeiten in der Metropolregion in knapp 1500 Unternehmen für erneuerbare Energien etwa 24.700 Menschen – allein in der Hansestadt sind es 14.500. Mittelständler, Stromkunden und Mieter klagen dagegen über hohe Kosten durch die Energiewende.

21. April: Hamburgs Grün Alternative Liste (GAL) heißt jetzt wie alle anderen Landesverbände der Republik auch: Bündnis 90/Die Grünen. Nach drei Jahrzehnten der alternativen Namensgebung stimmen mehr als zwei Drittel der Stimmberechtigten auf einer Landesmitgliederversammlung für die Angleichung des Parteinamens an den der übrigen 15 Landesverbände und des Bundesverbands. "Wir sind keine Liste mehr, sondern eine Partei", argumentierte Parteichefin Katharina Fegebank vor der Abstimmung. Mit dem Namen GAL wüssten vor allem Zugezogene und junge Mitglieder nichts mehr anzufangen.

26. April: Mit 120.000 Gästen ist die begehbare Installation "Horizon Field" des britischen Künstlers Antony Gormley die besucherstärkste Ausstellung seit der Gründung der Hamburger Deichtorhallen 1989. Auf der 1200 Quadratmeter großen, siebeneinhalb Meter über dem Erdboden frei schwingenden Fläche konnten die Besucher springen, hüpfen und mit einander in Kontakt treten. Mit Kosten von mehr als einer Million Euro war die Schau auch das bisher kostenintensivste Projekt der Deichtorhallen.

28. April: Mehr als 700.000 Zuschauer machen den Hamburg-Marathon zu einer riesengroßen Party und treiben die afrikanischen Spitzenathleten zu neuen Streckenrekorden. Der Äthiopier Shami Dawit triumphiert bei den Männern in 2:05:58 Stunden. Der 28-Jährige verbesserte die bisherige Bestmarke des Spaniers Julio Rey (2:06:52) aus dem Jahre 2006. Dawit bekommt 12.000 Euro Siegprämie und obendrein 50.000 Euro für die Rekordzeit.

12. Mai: Eklat bei der Verleihung der Henri-Nannen-Journalistenpreise: Drei Autoren der "Süddeutschen Zeitung" verschmähen in Hamburg die Auszeichnung für ihre investigativen Recherchen, weil sie sich den Preis nicht mit der "Bild"-Zeitung teilen wollen. Die Autoren des Boulevardblatts waren mit einem Beitrag zur Wulff-Affäre erfolgreich, die "SZ" mit Enthüllungen zur BayernLB. "SZ"-Autor Hans Leyendecker bezeichnet die Jury-Entscheidung als "Kulturbruch".

5. Juni: Der sogenannte Todesfahrer von Eppendorf wird zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach dem tragischen Unfall mit vier Toten spricht das Landgericht den 40-Jährigen der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung und der vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig - und ordnet an, seinen Führerschein einzuziehen.

13. Juni: Hamburg hat der Geheimniskrämerei in Ämtern und Behörden den Kampf angesagt. Die Bürgerschaft beschließt einstimmig ein bundesweit einzigartiges Transparenzgesetz, wonach die Verwaltung künftig von sich aus etwa Gutachten, Baugenehmigungen und Senatsbeschlüsse im Internet veröffentlichen muss. Nach dem bislang geltenden Informationsfreiheitsgesetz brauchte sie nur auf Antrag Auskunft geben. Kernstück des neuen Gesetzes ist ein Informationsregister im Internet – mit Daten, Dokumenten, Statistiken, Verträgen und Vorschriften. Dort müssen etwa die wesentlichen Unternehmensdaten städtischer Beteiligungen sowie die Vergütungen des Leitungspersonals aufgelistet werden.

28. Juni: Deutschlands älteste Werft, die Hamburger Sietas-Gruppe, wird zerschlagen. Die drei Einzelbetriebe – die Neubauwerft, die Reparaturwerft und die Neuenfelder Maschinenfabrik (NMF) – sollen von Investoren aus der Schiffbaubranche übernommen werden. Die Einzelangebote für die drei Unternehmen der Sietas-Gruppe seien in der Summe höher als das eine abgegebene Gesamtangebot, berichtet Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann. Bei der 1635 gegründeten Werft hatte Familieneigner Hinrich Sietas zu lange am Containerschiffbau festgehalten. Das Insolvenzverfahren über die Sietas-Werft war Anfang Februar 2012 eröffnet worden. Im November 2011 hatte das Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet.

5. Juli: Kurz vor Ablauf eines Ultimatums einigen sich die Stadt und Hochtief in letzter Minute im Streit um den Bau der Elbphilharmonie. "Es ist uns gelungen, den weiteren Fortgang des Baus von den Streitigkeiten der Vergangenheit abzulösen und eine Vereinbarung mit Hochtief über die Fertigstellung des Projekts zu erreichen", sagte Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) in einer gemeinsamen Erklärung mit Hochtief. Danach haben die Stadt und Hochtief Eckpunkte für eine Neuordnung beschlossen. Wochen später wird klar: Um das Eckpunktepapier in eine rechtlich verbindliche Form zu bringen, dauern die Verhandlungen bis Weihnachten an.

10. Juli: Während alle über "Tatort"-Kommissar Til Schweiger reden, der ab Herbst im Einsatz sein soll, beginnt für Schauspieler Wotan Wilke-Möhring bereits der Dreh – ebenfalls in Hamburg als "Tatort"-Kommissar. Er jagt künftig als Ermittler Thorsten Falke Verbrecher in Norddeutschland. Falkes Dienststelle ist zwar in der Hansestadt angesiedelt, doch schon sein nächster Fall werde ihn aus Hamburg heraus auf eine Nordseeinsel führen, erklärt der NDR. Der Sender verantwortet vier "Tatorte": neben Möhring und Schweiger ermitteln weiterhin Maria Furtwängler als Hannoveraner Kommissarin sowie Axel Milberg und Sibel Kekilli in Kiel.

2. August: Die von der Schließung bedrohte Kultkneipe "Zum Silbersack" auf dem Hamburger Kiez ist gerettet – und hat wieder geöffnet. Nach dem Tod der legendären Wirtin Erna Thomsen hatte die schnörkellose Gaststätte nahe der Reeperbahn zunächst rund zwei Monate lang dicht gemacht. Eine Gruppe von 20 Hamburger Kaufleuten, die Gesellschaft "Freunde des Silbersack GmbH & Co KG", hat die Kneipe nun übernommen.

10. August: Thalia-Theater-Intendant Joachim Lux wird auch in Zukunft die Geschicke der renommierten Bühne lenken. Der noch bis 2014 laufende Vertrag mit dem 54-Jährigen wurde bis 2019 verlängert. Die vergangenen drei Spielzeiten hätten sehr anschaulich gezeigt, dass Joachim Lux dieses Haus adäquat – nämlich in der Spitze der bundesdeutschen Theaterlandschaft – positioniert habe. Lux hatte in der Spielzeit 2009/2010 die Leitung des Thalia Theaters von Ulrich Khuon übernommen.

15. August: Über 200 deutsche Olympia-Athleten werden nach ihrer Rückkehr aus London von 20.000 Fans in Hamburg begeistert empfangen. Die Sportler legen mit der zum Olympia-Dampfer erklärten "MS Deutschland" in der Hafencity an. An Bord sind neun der elf deutschen Olympiasieger. Der Ruderer und Goldmedaillengewinner Eric Johannesen zeigt sich überwältigt von dem herzlichen Willkommen in seiner Heimatstadt: "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, zu sehen, wie die Stadt hinter allen Olympia-Teilnehmern steht." Die deutschen Athleten hatten in London 11 goldene, 19 silberne und 14 bronzene Medaillen eingesammelt.

3. September: Unmittelbar vor der Schiffbaumesse SMM werden neue Zahlen bekannt, die ein düsteres Bild von der Branche zeichnen. Im vergangenen Jahr haben die Werften weltweit so viele Schiffe hergestellt wie noch nie. Im laufenden Jahr sieht es noch halbwegs gut aus. Aber danach folgt ein tiefer Einbruch, weil viel zu viele Schiffe bestellt und gebaut wurden. Es gibt kaum noch Aufträge; die globale Schiffbauproduktion fällt demnächst zurück auf das Jahr 2008. Die Hoffnung auch der deutschen Werften richtet sich auf Umwelt- und Offshore-Technik. Die lukrativen Aufträge sind hart umkämpft.

6. September: Der Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr bekommt eine neue Führungsspitze. G+J-Verlagsgeschäftsführerin Julia Jäkel (40) rückt in den insgesamt dreiköpfigen Vorstand ein. Jäkel strebt als neue Deutschland-Chefin eine stärkere Digitalisierung der Printprodukte an.

16. September: Der niederländische Fußballstar Rafael van der Vaart feiert sein Comeback beim HSV. Sein erstes Bundesligaspiel nach vier Jahren endet jedoch mit einer Niederlage bei Eintracht Frankfurt. Van der Vaart hatte schon von 2005 bis 2008 in Hamburg unter Vertrag gestanden, bevor er nach Real Madrid wechselte. Zuletzt hatte er für den britischen Verein Tottenham Hotspur gespielt. Mit der erneuten Verpflichtung des prominenten Mittelfeldspielers hofft der HSV, seinen schlechten Saisonstart wettzumachen. Möglich wurde der Transfer nur, weil Edelfan und Milliardär Klaus-Michael Kühne dem HSV ein Darlehen gab.

20. September: Der Handelskonzern Otto kündigt an, dass er bei drei deutschen Versandhandelstöchtern bis zu 700 Stellen streichen wird. Endgültige Aussagen seien Ende Februar zu erwarten. Der Konzern wolle die Marken Otto, Baur und Schwab neu ordnen und im Online-Markt schärfer positionieren. Die Unternehmen sind durchaus gesund, geraten aber durch neue Konkurrenten wie Zalando oder Media Markt unter verschärften Konkurrenzdruck gerät. Bei der Marke Otto, die im Zentrum der Umstrukturierungen steht, will der Konzern in den kommenden Jahren deutlich mehr als 100 Millionen Euro investieren.

25. September: Wochenlang wurde verhandelt, dann steht es fest: Der weltbekannte Dirigent Kent Nagano wird neuer Generalmusikdirektor der Hamburger Staatsoper. Der US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln wird damit Nachfolger von Simone Young, die die Staatsoper 2015 verlässt. Nagano ist noch Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München, davor war er Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. Nagano gehört zu den vielseitigsten Dirigenten unserer Zeit und hat bereits an den großen Häusern der Welt am Pult gestanden. Intendant der Staatsoper soll der Direktor des Theaters Basel, der Schweizer George Delnon, werden.

29. September: Mit einem spektakulären Konzert auf der Baustelle der Elbphilharmonie eröffnet das Hamburger Theater-Festival. In 37 Meter Höhe auf der Plaza der Elbphilharmonie können die Besucher ein einmaliges Konzert erleben: Der Rundfunkchor Berlin präsentiert "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms in ungewöhnlicher Fassung. Der Berliner Regisseur Jochen Sandig hat zusammen mit der Tanzcompagnie Sasha Waltz eine szenische Umsetzung des Werkes geschaffen. Dabei bewegen sich die Mitglieder des Chores zwischen den Zuhörern hin und her, sitzen beim Singen auch mal auf einer Schaukel.

8. Oktober: Für ihre Drehbuch-Affäre beim NDR muss die frühere Fernsehspielchefin Doris Heinze zwar nicht ins Gefängnis. Gegen sie wurde aber eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verhängt. Das Hamburger Landgericht sah Heinze der Bestechlichkeit und des Betrugs in Tateinheit mit Untreue überführt. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft für Heinze gefordert. Eine Revision ist beim Bundesgerichtshof anhängig. Die TV-Macherin ("Tatort", "Polizeiruf 110") hatte zugegeben, unter Pseudonymen Drehbücher von sich und ihrem Ehemann beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) eingeschleust zu haben. Die Affäre war 2009 ans Licht gekommen.

13. Oktober: Als erster Hamburger Regierungschef reist Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) mit einer Wirtschaftsdelegation zu einem offiziellen Besuch nach Indien. Bei zahlreichen Treffen und Veranstaltungen in Neu Delhi und Mumbai sollen die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und dem südasiatischen Land ausgebaut werden. Im Mittelpunkt der einwöchigen Auslandreise stehen zahlreiche Treffen mit indischen Politikern und Unternehmern, vor allem um für Hamburgs Stärken bei erneuerbaren Energien und in der Hafenwirtschaft zu werben. Es geht dabei weniger um konkrete Vertragsabschlüsse, sondern um Kontakte, die sich in der Zukunft auszahlen sollen.

17. Oktober: Der Hamburger Hafen muss im internationalen Wettbewerb einen Rückschlag verkraften. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verbietet vorerst eine Ausbaggerung der Elbe zwischen Hamburg und Cuxhaven. Sie soll für Containterschiffe mit einem Tiefgang von 14,5 Metern schiffbar gemacht werden. Die Richter gaben einem Eilantrag der Natur- und Umweltschutzvereinigungen Nabu und BUND gegen den Planfeststellungsbeschluss der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord statt. Dies ist allerdings keine Vorentscheidung für den Ausgang des Hauptsacheverfahrens. Im November demonstrieren nahezu 2000 Hafenarbeiter für ihre Jobs.

17. Oktober: Überraschend verkündet die HSH Nordbank, dass Vorstandschef Paul Lerbinger nach eineinhalb Jahren Amtszeit durch den Risikovorstand Constantin von Oesterreich ersetzt wird. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper hat die Entscheidung ohne Beteiligung der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein getroffen, denen die Bank gehört. Die HSH Nordbank ist wegen der schwierigen Situation in der Schifffahrt wieder tiefer in die Krise geraten; Kopper hält in dieser Situation von Oesterreich für den besseren Mann an der Spitze. Als eine der ersten Amtshandlungen überprüft der neue Chef nochmals die Risiken. Ergebnis: Ab 2019 müssen die Länder damit rechnen mit, bis zu 1,3 Milliarden Euro für Verluste der Bank einstehen zu müssen.

18. Oktober: Die Kultusminister der Länder machen nach jahrelanger Diskussion den Weg für einheitliche Abiturstandards ab dem Jahr 2017 frei. Sie beschließen für die vier Kernfächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch bundesweite Leistungsanforderungen, die in der gymnasialen Oberstufe im Schuljahr 2014/2015 eingeführt werden sollen. "Das ist ein großer Schritt für das deutsche Schulwesen", sagt der Hamburger Ties Rabe (SPD) als Präsident der Kultusministerkonferenz. Die 16 Länder haben vor dem Abitur im Jahr 2017 die Möglichkeit, sich aus einem Aufgaben-Pool zu bedienen. Ziel ist etwa eine bessere Vergleichbarkeit des Abiturs.

22. Oktober: Der Solaranbieter Conergy veröffentlicht nach Börsenschluss die Mitteilung, dass er die Hälfte seines Grundkapitals verloren hat und deshalb eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen muss. Erst gut ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen nur mit einer Umschuldung das Aus verhindern können. Vorstandschef Philip Comberg bemüht sich, Anleger und Mitarbeiter zu beruhigen. Die Einberufung der außerordentlichen Hauptversammlung habe keine Auswirkungen auf den operativen Geschäftsbetrieb. Dennoch wachsen die Sorgen um das Solarunternehmen. Conergy hat zuletzt 2005 einen Gewinn ausgewiesen und seitdem Verluste in Höhe von insgesamt rund 841 Millionen Euro erlitten.

1. November: Die Hamburger Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen schwerer Untreue gegen zwei ehemalige Manager der Versicherung Hamburg-Mannheimer, die mittlerweile Ergo heißt. Die 53 und 42 Jahre alten Männer waren an der Organisation der Skandalreise des Strukturvertriebs nach Budapest im Juni 2007 beteiligt und sollen Kosten verschleiert und damit gegen interne Richtlinien des Unternehmens verstoßen haben. Höhepunkt der Reise für die erfolgreichsten Vertreter der Versicherung war eine Sex-Orgie in einem Bad in Budapest mit 20 Prostituierten. Das sei weder mit dem Unternehmenszweck noch mit dem Image der Versicherung vereinbar. Der Schaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf rund 52.000 Euro.

13. November: Das Stadtmagazin "Prinz" verschwindet aus den Kiosken. Das monatliche Szeneblatt erscheint im Dezember zum letzten Mal als Printprodukt. Der Jahreszeiten-Verlag will dafür das tagesaktuelle Internetangebot der Marke ausbauen. Denn wer wo was feiert – darüber informieren sich viele Menschen verstärkt im Netz.

13. November: Als erstes Bundesland unterzeichnet Hamburg mit Muslimen Verträge, die Rechte und Pflichten für beide Seiten regeln. In den Vereinbarungen geht es um die Gleichstellung von Mann und Frau, Bestattungs- und Feiertagsregelungen sowie das Bekenntnis zum Grundgesetz. Die Verträge – einer mit den islamischen Religionsgemeinschaften und ein leicht veränderter mit der Alewitischen Gemeinde – seien ein Zeichen der Anerkennung, erklärten die Muslimen. Im Frühjahr 2013 soll die Bürgerschaft zustimmen. Es wird mit einer breiten Mehrheit gerechnet. Mehrere Bundesländer haben angekündigt, den Hamburger Vertrag nachahmen zu wollen.

18. November: Das Musical "Rocky" feiert seine Weltpremiere nicht am New Yorker Broadway oder Londoner West End, sondern auf der Hamburger Reeperbahn. Im Operettenhaus lebt die berühmteste Box-Figur der Filmgeschichte wieder auf – unter den Blicken von Ur-Rocky Sylvester Stallone. Der Hollywood-Star, der den Rocky Balboa in sechs Streifen gab, gehört wie die Box-Profis Wladimir und Vitali Klitschko zu den Co-Produzenten der 15 Millionen Euro teuren Show. Nicht nur das neue Stück soll Hamburgs Stellung als Deutschlands Musical-Hauptstadt ausbauen: Marktführer Stage Entertainment baut sein viertes Theater, "Mehr! Entertainment" plant seine erste Spielstätte an der Elbe.

23. November: Das Ende ist beschlossen: Die lachsfarbene "Financial Times Deutschland" verschwindet am 7. Dezember vom Zeitungsmarkt. Dieser Einschnitt beim Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr ist ein Schlag für die mehr als 300 Mitarbeiter der G+J-Wirtschaftsmedien in Hamburg. Das Magazin "Capital" soll von Berlin aus weitergeführt werden. Für die Hefte "Impulse" und "Börse Online" wird eine Übernahme durch G+J-Manager geprüft. Der Verlag begründet die Maßnahmen mit den roten Zahlen bei der "FTD" seit ihrer Gründung im Jahr 2000 sowie einem Verlust der G+-Wirtschaftsmedien in diesem Jahr.

30. November: Die angeschlagene Baumarkt-Kette gibt neue Aktien heraus und ist damit erst einmal gerettet. Vorausgegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen Aktionären und Vorstand, der bei der Hauptversammlung im Juli seinen Anfang genommen hatte. Am Ende setzte sich die Wiener Investorin Isabella de Krassny durch, die nun als Aktionärin und Kreditgeberin die starke Figur in dem Konzern ist. Ohne die Geldspritze aus der Kapitalerhöhung hätte Praktiker kaum überleben können. Das Unternehmen will 120 seiner Praktiker-Märkte auf die ertragreichere Konzernmarke Max Bahr umstellen. Durch eine verfehlte Rabatt-Strategie war Praktiker in die roten Zahlen geraten. Der Konzern verliert immer noch Umsatz und macht Verluste.

10. Dezember: Die Hamburger Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren gegen den ehemaligen Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) wegen angeblicher Vorteilsnahme beim Kauf einer Villa ein. Die monatelangen, umfangreichen Ermittlungen hätten den Anfangsverdacht nicht erhärtet. Ahlhaus hatte den Vorwurf stets als "völlig abwegig" zurückgewiesen. Eine anonyme Anzeige hatte das Verfahren ins Rollen gebracht. Die Staatsanwaltschaft prüfte daraufhin den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme beziehungsweise Vorteilsgewährung beim Kauf von Ahlhaus' Privatvilla in den noblen Elbvororten. Angeblich sollte ihm die Makler-Courtage erlassen oder stark gekürzt worden sein.

11. Dezember: Ermittler geben bekannt, dass sie einen internationalen Drogenring zerschlagen haben. Bei mehreren Durchsuchungen stellen sie 268 Kilo Kokain und rund 1,1 Million Euro Bargeld sicher. Sieben Männer im Alter zwischen 30 und 60 Jahren werden festgenommen, sechs von ihnen kommen in Untersuchungshaft. Die Verdächtigen sollen das Rauschgift "in höchst konspirativer Weise" aus Südamerika nach Europa geschmuggelt haben: Sie sollen das Kokain in Metallteilen versteckt, verschickt und dann zu einem Kilopreis von bis zu 32.000 Euro verkauft haben. Als Kokaindepot fungierte die Containerfirma eines 58-Jährigen in Hamburg-Wilhelmsburg.

12. Dezember: Das größte Containerschiff der Welt – die "CMA CGM Marco Polo" – läuft zum ersten Mal in den Hafen ein. Das 396 Meter lange Schiff kann mehr als 16.000 Standardcontainer (TEU) tragen, das sind rund 1300 Container mehr als die bislang größten Containerschiffe der "Emma Maersk"-Klasse. Das Schiff passiert zunächst den Waltershofer Hafen und wird dann rückwärts in das Hafenbecken geschleppt. Die Ankunft des Containerriesen befeuert erneut die Debatte um die gerichtlich gestoppte Elbvertiefung.

19. Dezember: Der elfjährige Jeremie taucht gut vier Wochen nach seiner spektakulären Flucht aus einem Wanderzirkus in Mecklenburg-Vorpommern wohlbehalten auf. Seine Großeltern bringen das Pflegekind in eine kinder- und jugendpsychologische Einrichtung in Hamburg. Wo der Junge künftig untergebracht wird, bleibt zunächst unklar. Jeremie soll am 20. November im Kleintransporter der Zirkusfamilie, bei der es das Jugendamt Hamburg-Mitte unterbringen ließ, von Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern ins etwa 100 Kilometer entfernte Hamburg gefahren sein. Dort hatte er früher bei seinen Großeltern gelebt. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt nach Jeremies Flucht wegen Verdachts der Kindesentziehung gegen Unbekannt. Der "Fall Jeremie" löste hitzige politische Diskussionen aus.

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