Vermisster Junge Schicksal von Jeremie ungewiss, wenn er auftauchen sollte

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Bezirksamt rechnet mit "zeitnahem" Erscheinen des Elfjährigen. Jugendamt hält Betreuung weder bei Hilfeverein noch bei Großeltern für möglich.

Im Fall des elfjährigen Ausreißers Jeremie hat der zuständige Neukirchener Erziehungsverein mehr Sachlichkeit und Fairness in der öffentlichen Debatte gefordert. "Wir können nicht nachvollziehen, dass die Qualität unserer Arbeit von der Hamburger Politik angezweifelt wird", sagte Dagmar Friehl, Geschäftsbereichsleiterin Jugendhilfe des Vereins aus Nordrhein-Westfalen, am Mittwoch. Bis zum Mittwochnachmittag war Jeremie nicht wieder aufgetaucht.

Keiner der Kritiker habe sich jemals ein Bild von den intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuungen von Kindern und Jugendlichen gemacht, die der Verein seit Jahren erfolgreich leiste, sagte Friehl. Trotzdem würden jetzt voreilig Urteile gefällt.

Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) hatte zuvor eine Überprüfung vergleichbarer Fälle angeordnet. Er sehe mit Sorge, dass Jugendämter immer wieder auf Betreuungsarrangements bei auswärtigen Trägern zurückgriffen. Daher appellierte Scheele an Hamburger Einrichtungen, geeignete Angebote für Kinder wie Jeremie zu schaffen, "damit wir künftig auf Lösungen wie die Unterbringung im einem Zirkus nicht mehr angewiesen sind".

Am Dienstag war vor einem Familiengericht in Hamburg laut Behörde eine "einvernehmliche Betreuungslösung" gefunden worden. Details wurden nicht genannt. Bis Mittwochnachmittag hatte sich der elfjährige Ausreißer jedoch noch nicht bei den Behörden gemeldet. "Jeremie ist noch nicht wieder aufgetaucht", sagte eine Sprecherin des zuständigen Bezirksamts Hamburg-Mitte am Mittwoch. Das Bezirksamt gehe jedoch davon aus, dass dies "zeitnah" geschehe.

Was mit dem Jungen geschehe, wenn er wieder auftauche, könne man noch nicht sagen, sagte Jugendamtschef Peter Marquard. "Das ist eine ganz heikle Frage, weil der bisherige Träger kaum noch zur Verfügung steht." Da auch die Großeltern mit dem Jungen Schwierigkeiten gehabt hätten, dränge sich keine einfache Lösung auf. Zugleich verteidigte der Jugendamtsleiter die Entscheidung, Jeremie in dem Zirkusprojekt untergebracht zu haben. Seine Behörde stehe zu dieser individuell angepassten Hilfe.

Jeremie war am 20. November aus einem Wanderzirkus in Mecklenburg-Vorpommern ausgerissen. Dort ließ ihn das Jugendamt Hamburg-Mitte unterbringen, nachdem mehrere Hamburger Träger die Aufnahme des Kindes abgelehnt hatten. Der Junge soll mit dem Kleintransporter der Zirkusfamilie von Lübtheen nach Hamburg geflohen sein. In der Hansestadt hatte Jeremie früher bei seinen Großeltern gelebt.