30.11.12

Hamburger Arbeitsmarkt

Internationale Gartenschau schafft 500 neue Jobs

Arbeitslosigkeit in Hamburg sinkt leicht auf 67.367. Besonders viele Stellenangebote in der Gastronomie offen. igs sucht noch Interessierte.

Von Steffen Preißler
Foto: Marcelo Hernandez
igs 2013
Die Internationale Gartenschau in Hamburg-Wilhelmsburg eröffnet am 26. April 2013

Hamburg. Sie ist gelernte Köchin und wollte gern in diesem Job arbeiten. "Am liebsten in einer Vollzeitstelle", sagt Karin S. Doch eine solche Stelle fand sie bisher nicht. "Es waren immer nur geringfügige Beschäftigungen, die ich in letzter Zeit hatte." Zum Beispiel ein Praktikum im Krankenhaus. "Auch dort wollte ich in die Küche, doch wurde ich immer nur vertröstet. Schließlich lief der befristete Vertrag aus", beschreibt S. ihre Situation.

In wenigen Monaten wird sich ihre Situation grundlegend ändern - und auch viele andere Arbeitsuchende haben eine Chance auf einen neuen Job. Grund ist die Internationale Gartenschau (igs), die vom 26. April bis zum 13. Oktober in Hamburg stattfindet. Karin S. wird dort einen Job als Köchin bereits zum 15. April antreten. Nach Schätzungen der Arbeitsagentur Hamburg wird die igs zu einem zusätzlichen Personalbedarf von mindestens 500 Beschäftigten im Frühjahr 2013 führen. Es sind Stellen in den Bereichen Wachdienste, Reinigungsgewerbe, Garten- und Landschaftspflege, Gastronomie und Hotellerie zu besetzen. So hat das Deutsche Rote Kreuz über die Arbeitsagentur zur igs 20 sogenannte Kümmerer eingestellt. Sie fungieren als Ansprechpartner für die igs-Besucher, die kurzfristig Hilfe benötigen, etwa Eltern, die nach ihren Kindern suchen. Das Beschäftigungsverhältnis beim DRK läuft über die befristete igs-Tätigkeit hinaus. Alle Kümmerer erhalten eine entsprechende Ausbildung.

Allein der Caterer Polster sucht 200 Beschäftigte. "Wir benötigen Mitarbeiter für verschiedene Tätigkeiten wie Köche, Beiköche, Spülkräfte, Servicemitarbeiter, Verkäufer und Kassierer", sagt Ulricke Engelhardt von Polster. 17 Arbeitsverträge wurden bereits unterschrieben. Einen davon hat Frau S. "Ich freue mich darauf, wieder als Köchin in Vollzeit zu arbeiten", sagt sie. Erstmals seit zwei Jahren hat sie wieder so eine Stelle.

Das Problem bei der igs ist, dass die Beschäftigung zeitlich befristet ist. "Deshalb gehen wir ganz neue Wege, denn wir wollen nicht, dass die Betroffenen wieder in die Arbeitslosigkeit fallen", sagt Knut Böhrnsen, Sprecher der Arbeitsagentur Hamburg. "Am Ende wollen wir jedem Beschäftigten eine Anschlussstelle vermitteln. Wir befinden uns deshalb in Verhandlungen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband." Wer sich noch für einen Job im Gastronomiebereich zur igs interessiert, kann sich unter der Telefonnummer 040/76 744 784 oder -741 (Arbeitsagentur Harburg) informieren.

Das Gastgewerbe gehört in Hamburg zu jenen Bereichen, die Arbeitsplätze schaffen. Innerhalb eines Jahres kamen rund 1200 Stellen hinzu. Gegenwärtig gibt es rund 810 offene Stellen in den Bereichen Tourismus, Hotellerie und Gastronomie. Auch in vielen anderen Bereichen kann der Hamburger Arbeitsmarkt trotz der sich abkühlenden Konjunktur noch zulegen. "Mit rund 870 000 sozialversicherungspflichtigen Jobs hat Hamburg ein Jahreshoch erreicht", sagt Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamburg.

Dieser Aufbau an Beschäftigung schlägt sich auch in der monatlichen Arbeitslosenstatistik nieder. Die Zahl der Hamburger Arbeitslosen erreicht mit 67 367 den niedrigsten Wert des laufenden Jahres. Die Arbeitslosenquote sank leicht von 7,2 auf 7,1 Prozent. "Selbst in den Bezirken liegt sie jetzt überall unter zehn Prozent", sagt Fock. Gegenüber dem Vormonat sank die Zahl der Arbeitslosen um 1066 oder 1,6 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat gab es allerdings im November 620 Arbeitslose mehr. Für Dezember erwartet Fock einen weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahlen.

Im Moment profitieren vor allem Langzeitarbeitslose, die Hartz IV beziehen, von der noch guten Verfassung des Arbeitsmarkts. "Unsere Strategie, statt auf Ein-Euro-Jobs auf Qualifizierung und Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt zu setzen, zahlt sich aus", sagt Fock. Denn inzwischen zeige sich, dass es auch Stellen für Menschen gibt, die länger nicht im Arbeitsleben standen. "Das sind vor allem Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich, die unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung sind", sagt Fock.

Dagegen ist die Zahl der Jobsuchenden, die Arbeitslosengeld beziehen, im Jahresvergleich stark gestiegen. Waren es vor einem Jahr 17 119 Personen, so sind es inzwischen 19 637 Arbeitslose, die direkt von der Arbeitsagentur betreut werden. Die übrigen Arbeitslosen (47 730) werden vom Jobcenter Team Arbeit betreut. Ihre Zahl verringerte sich innerhalb eines Jahres um rund 2000 Personen. Fock sieht die Ursachen dafür in der sich abschwächenden Konjunktur.

Bundesweit ist der Jobaufschwung im Spätherbst zum Stillstand gekommen. Die Zahl der Arbeitslosen ging nur noch um 2000 Personen auf 2,571 Millionen zurück. Die Arbeitslosenquote liegt unverändert bei 6,5 Prozent. "Die Arbeitsagenturen vor Ort signalisieren bereits eine Zunahme der Jobsuchenden", sagt Raimund Becker, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. "In einigen Agenturen stehen die Ampeln bereits auf Rot, in anderen auf Rot-Gelb." Hamburg gehört aber nicht dazu. "Wir hoffen mit einer Delle davonzukommen", sagt Fock.

Unternehmen melden mehr Kurzarbeit an

Die deutschen Unternehmen spüren die lahmende Konjunktur in Europa zunehmend.

Die Zahl der Beschäftigten, für die konjunkturelles Kurzarbeitergeld angemeldet wurde, war im Oktober mit 44.164 auf dem höchsten Stand seit Dezember 2010, wie eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit sagte.

Die Behörde halte das aber für noch nicht besorgniserregend: "Für Nichtkrisenzeiten geht man davon aus, dass bis zu 100.000 Personen alles normal ist", sagte die Sprecherin.

Beunruhigt ist hingegen Jörg Hofmann, der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg: "Sorgen muss man sich nach den Erfahrungen von 2008 schon machen".

Er forderte die Bundesregierung auf, einen klaren Rahmen für die Kurzarbeiterregelung zu schaffen.

Zuletzt hatten bekannte Großunternehmen wie Bosch oder Infineon Kurzarbeit angemeldet. Der Chiphersteller, aber auch andere Konzerne wie Daimler oder Siemens haben zudem Sparprogramme aufgelegt. (dapd)

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