Harburg Ungebetener Gast in Moorburg angekommen

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Der Ex-Sicherungsverwahrte Jens B. zog gestern in seine neue Bleibe. Er wird konstant bewacht. Die Anwohner protestieren.

Moorburg. Der nach wie vor konstant bewachte Sicherungsverwahrte Jens B. ist gestern in seiner neuen Unterkunft in Moorburg eingezogen. Damit ist das Haus in Jenfeld, vor dem es immer wieder Proteste gegeben hatte, fristgerecht geräumt. Jens B. ist der einzige ehemalige Sicherungsverwahrte, der seinen Wohnsitz nach Moorburg verlegt. Hans-Peter W. war bereits vor knapp zwei Wochen in den Hamburger Norden gezogen, auch für Karsten D. wurde eine neue Bleibe gefunden.

Der angekündigte Umzug von Jens B. nach Moorburg hatte auch hier für massive Proteste gesorgt. Zwar steht die neue Bleibe des vor vielen Jahren wegen Vergewaltigung und eines versuchten Tötungsdelikts verurteilten Mannes relativ allein und ist weit von Schulen und Kindertagesstätten entfernt, doch fürchteten die Moorburger, dass ihnen mit dem neuen Mitbewohner eine massive Gefahr vor die Tür gesetzt werde. B. lebt nun allein in dem Bauernhaus. Aus der Justizbehörde hieß es, das in Jenfeld erprobte Sicherheitskonzept werde in seinem Fall weiter umgesetzt.

Dennoch fühlen sich viele der knapp 800 Moorburger überrumpelt. Mit dem Kohlekraftwerk, der geplanten A 26, einer Hafenschlick-Deponie und der Ausweisung als Hafenerweiterungsgebiet seien sie ohnehin stärker mit Problemen belastet als jeder andere Stadtteil, hieß es am Deich.

Bei der Opposition hatte das Vorgehen des Senats für Unmut gesorgt. Kritisiert wurde unter anderem, dass die Entscheidung verkündet wurde, ohne dass die Anwohner sich zuvor hätten äußern können. Bei einem eilig einberufenen Termin hatten Justizsenatorin Schiedek, Sozialsenator Scheele und Innensenator Neumann (alle SPD) den Moorburgern im August mitgeteilt, dass das zuständige Gremium das Haus in ihrer Nachbarschaft als neue Unterkunft für Sicherungsverwahrte ausgesucht hatte. 16 Objekte standen zur Auswahl, zunächst waren die Behörden davon ausgegangen, dass alle drei Sicherungsverwahrten ins Elbdorf ziehen würden. Die Männer kamen aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte frei, das eine nachträgliche Verlängerung der Sicherungsverwahrung untersagte. Sie werden aber zum Teil weiter als gefährlich eingestuft.