14.11.12

Reise

Streiks in Südeuropa: Auch der Norden betroffen

Die großen spanischen Fluglinien strichen etwas die Hälfte aller Verbindungen, Reisende müssen mindestens mit langen Verspätungen rechnen.

Foto: Roland Magunia
Luftbilder Hamburg Airport
Am Flughafen Hamburg werden am Mittwoch mehrere Flugzeuge wegen Streiks in Spanien am Boden bleiben

Hamburg/Madrid/Brüssel. Ein Solidaritätstag des Europäischen Gewerkschaftsbundes aus Protest gegen die Sparpolitik sorgt in mehreren EU-Ländern für massive Arbeitsniederlegungen sowie Verkehrsprobleme. In den Euro-Krisenländern Spanien und Portugal begannen am Mittwochmorgen landesweite, 24-stündige Generalstreiks, während die Beschäftigten in Italien und Griechenland zu mehrstündigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen waren. In Belgien beteiligen sich die Eisenbahner an der Streikaktion, zudem haben die Fluggesellschaften viele Spanien- und Portugal-Flüge abgesagt.

Der Generalstreik in Spanien trifft auch Fluggäste, die von Hamburg aus in den Urlaub starten wollen. Die Fluggesellschaften ließen im Vorfeld bereits mehrere Flüge mit Destinationen in Spanien annullieren oder kündigten Verspätungen teils um unbestimmte Zeit an. So stellt die Lufthansa am morgigen Mittwoch die Verbindung von Hamburg nach Madrid ein, Air Berlin kündigte eine Verspätung von rund acht Stunden für einen Flug nach Malaga an und Condor rechnet ebenfalls mit einer erheblichen Verspätung nach Teneriffa.

Die großen spanischen Linien strichen etwa die Hälfte der geplanten Verbindungen. Auch im internationalen Flugverkehr könnte es zu Störungen kommen. In Spanien wurde für die Bahnen, U-Bahnen und Busse ein Mindestbetrieb vereinbart, der in jedem Fall aufrechterhalten werden soll.

Am Flughafen Hannover soll lediglich ein Auslandsflug am Vormittag nach Barcelona ausfallen, teilte eine Flughafen-Sprecherin mit. Bis zum Morgen waren am Flughafen Bremen keine gestrichenen Verbindungen bekannt. Wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn berichtete, sei in den Bahnhöfen von Hannover und Bremen "kein erhöhtes Reiseaufkommen" festzustellen.

Mallorca-Reisende, deren Flüge ab Hamburg von Air Berlin durchgeführt werden, seien von den Streiks nicht betroffen. "Wir rechnen damit, die Abflüge nach Palma planmäßig durchführen zu können", teilte Sprecherin Jana Andresen am Dienstag mit. Sie rät Fluggästen jedoch, sich kurz vor dem Flug auf der Webseite über den aktuellen Stand zu informieren. Generell gelte: "Passagiere sollten sich auf Unregelmäßigkeiten einstellen".

Beim Reiseveranstalter TUI gebe es zurzeit noch keine Pläne, Verbindungen komplett zu streichen, sagte Sprecherin Anja Braun. Auf bundesweit 159 Flügen von und nach Spanien und Portugal sind am Mittwoch TUI-Kunden gebucht. Das Gros der Urlauber fliegt mit der eigenen Airline des Veranstalters – insbesondere zu Zielen auf den Kanarischen Inseln, aber auch nach Mallorca. Ab Hamburg sollen die TuiFly-Flüge wie geplant abheben, Verspätungen seien dennoch möglich. "Wichtige Dinge sollten Passagiere unbedingt im Handgepäck verstauen, da mit längeren Wartezeiten gerechnet werden muss", sagte Braun.

Bahnreisende sollten Belgien meiden. Beschäftigte des Bahnbetreibers SNCB begannen schon am Dienstagabend einen 24-stündigen Streik. Aus Frankreich kommende Reisende mussten in der Nacht in Lille in Busse umsteigen, um nach Brüssel zu gelangen. Der Ausstand sollte vor allem die Wallonie im Süden des Landes treffen - Auswirkungen werde es aber auch in Brüssel und in Flandern geben.

Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys wird nicht zwischen Deutschland und Belgien verkehren, teilte der Betreiber mit. Auf den anderen Routen nach Frankreich und den Niederlanden seien Verspätungen möglich. Der Eurostar-Zug durch den Kanaltunnel nach London soll hingegen wie üblich verkehren.

Auch in anderen EU-Ländern wurden Protestaktionen gegen die Sparpolitik erwartet. In Italien und Griechenland wurden die Beschäftigten aufgerufen, die Arbeit für drei bis vier Stunden niederzulegen.

Ihre Rechte als Flugpassagier
Ihre Rechte als Flugpassagier
1. Was steht mir zu, wenn sich mein Flug verspätet?
Bei mindestens zwei Stunden Wartezeit auf einen Kurzstreckenflug haben Sie Anspruch auf Erfrischungen und eventuell Mahlzeiten. Bei Mittelstreckenflügen gilt das erst nach drei Stunden, bei Langstrecken nach vier Stunden. Meist werden dafür Gutscheine ausgegeben, die in den Flughafengeschäften eingelöst werden können. Die Fluggesellschaft muss Ihnen auch Telefonate ermöglichen und unter Umständen ein Hotel bezahlen.
Ist der Flug über fünf Stunden verspätet, haben Sie Anspruch auf Erstattung des Flugpreises. Wenn Sie eine Pauschalreise gebucht haben, können Sie ab vier Stunden Verspätung auf eine Reisepreis-Minderung pochen.
2. Komme ich bei verpasstem Anschlussflug automatisch in den nächsten Flieger?
Erreichen Sie Ihren Anschlussflug wegen Verspätung oder gestrichenem Flug nicht rechtzeitig, muss die Airline Sie auf den nächsten Flug umbuchen – allerdings nur, wenn Sie beide Flüge bei der Fluggesellschaft zusammengebucht haben. Bei längeren Wartezeiten haben Sie auch Anspruch auf Verpflegung und ggf. Unterkunft.
Eine pauschale Entschädigung bei verpasstem Anschluss gibt es nicht, für verpasste Nächte im Hotel am Ankunftsort oder für bereits gebuchte Mietwagen hingegen schon.
Wenn Sie allerdings mehrere Einzelflüge etwa von Billigfliegern kombiniert haben, ist das Umsteigen Glückssache. Sie haben jedenfalls keinen Anspruch, von einem verpassten Anschlussflug auf einen späteren Flug umzusteigen.
3. Kann ich umbuchen, wenn ich zu spät am Flughafen bin und nicht mehr mitfliegen kann?
Wenn Sie Ihren Flug verpassen, haben Sie meist Pech gehabt: Die meisten günstigen Tarife der Fluggesellschaften schließen eine Umbuchung weitgehend aus - oder sie wird durch Gebühren teurer als einen neuen Flug zu buchen.
Auch den Flugpreis können Sie nicht zurückfordern, die Gebühren dagegen schon. Gerade bei Billigfliegern machen Flughafen- und Buchungsgebühren usw. oft einen großen Teil des Flugpreises aus.
4. Welche Rechte habe ich, wenn mein Flug gestrichen wird oder überbucht ist?
Wenn Sie aus diesen Gründen nicht wie geplant fliegen können, muss die Fluggesellschaft Sie kostenlos auf einen anderen Flug umbuchen oder Ihnen auf Wunsch den Flugpreis in voller Höhe erstatten. Wie bei Verspätungen stehen Ihnen auch Erfrischungen, Verpflegung, Telefonate und eventuell ein Hotel zu.
Unter Umständen haben Sie zusätzlich Anspruch auf eine Entschädigung: Bei Kurzstreckenflügen sind 250 Euro fällig, bei Mittelstrecken 400 Euro und bei Langstrecken 600 Euro. Die Regelung gilt für alle Flüge von oder zu einem Flughafen in der Europäischen Union.
5. Welche Entschädigung gibt es, wenn mein Gepäck verloren geht?
Die Airlines haften für den entstandenen Schaden mit maximal rund 1170 Euro. Allerdings bekommen Sie nur dann Geld, wenn Sie den Verlust innerhalb einer Frist von sieben Tagen bei der Fluggesellschaft melden und glaubhaft den Wert der verloren gegangenen Sachen nachweisen können, z.B. mit Kaufbelegen. Außerdem steht Ihnen bei Gepäckverlust sofort eine kleine Summe zu, um sich mit den nötigsten Toilettenartikeln zu versorgen.
Wenn Sie eine Pauschalreise gebucht haben, müssen Sie das fehlende Gepäck auch dem Reiseveranstalter melden. Für jeden Tag, an dem Sie kein Gepäck haben, können Sie beim Veranstalter außerdem etwa 20 Prozent des Tagespreises als Reisepreisminderung geltend machen.
6. Muss die Fluggesellschaft einen Koffer, der zu spät ankommt, in mein Hotel bringen?
Die Airlines sind nicht dazu verpflichtet, verspätet eingetroffenes Gepäck ins Hotel nachzuliefern. Doch die meisten Fluggesellschaften tun das meist aus Kulanz und auch kostenlos.
7. Wann kann eine Airline sich weigern, Entschädigungen zu zahlen?
Ausnahmen für Entschädigungen gelten bei außergewöhnlichen Umständen. Das kann zum Beispiel schlechtes Wetter sein, durch das Flüge sich verspäten oder ausfallen.
Bei einem Vulkanausbruch geht man allerdings juristisch von höherer Gewalt aus. Die Fluggesellschaft wird nicht als Schuldige gesehen und muss daher keine weiteren Ausgleichszahlungen oder Schadenersatz für annullierte Flüge leisten.
Häufig geben Fluggesellschaften auch technische Probleme als Grund an, die sie als außergewöhnliche Umstände einstufen. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs dürfen sie das allerdings nur bei besonderen Gründen tun, etwa bei Sabotage.
8. Muss mich die Fluggesellschaft über meine Rechte aufklären?
Die Airlines müssen Ihnen Informationen über Passagierrechte aushändigen, wenn Sie danach fragen. Kommt es zum Streitfall mit einer Gesellschaft: Wenden Sie sich an die Schlichtungsstelle Mobilität ( www.schlichtungsstelle-mobilitaet.org ).
mia/dpa
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