Reise Streiks in Südeuropa: Auch der Norden betroffen

Foto: Roland Magunia

Die großen spanischen Fluglinien strichen etwas die Hälfte aller Verbindungen, Reisende müssen mindestens mit langen Verspätungen rechnen.

Hamburg/Madrid/Brüssel. Ein Solidaritätstag des Europäischen Gewerkschaftsbundes aus Protest gegen die Sparpolitik sorgt in mehreren EU-Ländern für massive Arbeitsniederlegungen sowie Verkehrsprobleme. In den Euro-Krisenländern Spanien und Portugal begannen am Mittwochmorgen landesweite, 24-stündige Generalstreiks, während die Beschäftigten in Italien und Griechenland zu mehrstündigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen waren. In Belgien beteiligen sich die Eisenbahner an der Streikaktion, zudem haben die Fluggesellschaften viele Spanien- und Portugal-Flüge abgesagt.

Der Generalstreik in Spanien trifft auch Fluggäste, die von Hamburg aus in den Urlaub starten wollen. Die Fluggesellschaften ließen im Vorfeld bereits mehrere Flüge mit Destinationen in Spanien annullieren oder kündigten Verspätungen teils um unbestimmte Zeit an. So stellt die Lufthansa am morgigen Mittwoch die Verbindung von Hamburg nach Madrid ein, Air Berlin kündigte eine Verspätung von rund acht Stunden für einen Flug nach Malaga an und Condor rechnet ebenfalls mit einer erheblichen Verspätung nach Teneriffa.

Die großen spanischen Linien strichen etwa die Hälfte der geplanten Verbindungen. Auch im internationalen Flugverkehr könnte es zu Störungen kommen. In Spanien wurde für die Bahnen, U-Bahnen und Busse ein Mindestbetrieb vereinbart, der in jedem Fall aufrechterhalten werden soll.

Am Flughafen Hannover soll lediglich ein Auslandsflug am Vormittag nach Barcelona ausfallen, teilte eine Flughafen-Sprecherin mit. Bis zum Morgen waren am Flughafen Bremen keine gestrichenen Verbindungen bekannt. Wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn berichtete, sei in den Bahnhöfen von Hannover und Bremen "kein erhöhtes Reiseaufkommen" festzustellen.

Mallorca-Reisende, deren Flüge ab Hamburg von Air Berlin durchgeführt werden, seien von den Streiks nicht betroffen. "Wir rechnen damit, die Abflüge nach Palma planmäßig durchführen zu können", teilte Sprecherin Jana Andresen am Dienstag mit. Sie rät Fluggästen jedoch, sich kurz vor dem Flug auf der Webseite über den aktuellen Stand zu informieren. Generell gelte: "Passagiere sollten sich auf Unregelmäßigkeiten einstellen".

Beim Reiseveranstalter TUI gebe es zurzeit noch keine Pläne, Verbindungen komplett zu streichen, sagte Sprecherin Anja Braun. Auf bundesweit 159 Flügen von und nach Spanien und Portugal sind am Mittwoch TUI-Kunden gebucht. Das Gros der Urlauber fliegt mit der eigenen Airline des Veranstalters – insbesondere zu Zielen auf den Kanarischen Inseln, aber auch nach Mallorca. Ab Hamburg sollen die TuiFly-Flüge wie geplant abheben, Verspätungen seien dennoch möglich. "Wichtige Dinge sollten Passagiere unbedingt im Handgepäck verstauen, da mit längeren Wartezeiten gerechnet werden muss", sagte Braun.

Bahnreisende sollten Belgien meiden. Beschäftigte des Bahnbetreibers SNCB begannen schon am Dienstagabend einen 24-stündigen Streik. Aus Frankreich kommende Reisende mussten in der Nacht in Lille in Busse umsteigen, um nach Brüssel zu gelangen. Der Ausstand sollte vor allem die Wallonie im Süden des Landes treffen - Auswirkungen werde es aber auch in Brüssel und in Flandern geben.

Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys wird nicht zwischen Deutschland und Belgien verkehren, teilte der Betreiber mit. Auf den anderen Routen nach Frankreich und den Niederlanden seien Verspätungen möglich. Der Eurostar-Zug durch den Kanaltunnel nach London soll hingegen wie üblich verkehren.

Auch in anderen EU-Ländern wurden Protestaktionen gegen die Sparpolitik erwartet. In Italien und Griechenland wurden die Beschäftigten aufgerufen, die Arbeit für drei bis vier Stunden niederzulegen.