14.11.12

Glosse

Ein Königreich für einen Dackel

Dänemarks Monarchenfamilie trauert um ihren Hund. Prinzgemahl schrieb sogar ein Liebesgedicht.

Von Christian-A. Thiel
Foto: dpa
Hofdackel des dänischen Köningspaares tot
Dackel des dänischen Regentenpaars Königin Margrethe und Prinz Henrik

Ob Rolf Seelmann-Eggebert schon mit einem Kamerateam nach Kopenhagen unterwegs ist, wissen wir nicht. Vielleicht gebietet auch die Pietät, dem jüngsten Trauerfall in der dänischen Königsfamilie zu sehr nachzuspüren: Vega, 7, ist tot. Der Kleine geriet bei einem royalen Ausflug vor Schloss Fredensborg unter die Räder.

Vega war Prinzgemahl Henriks Rauhaardackel, der nun auf dem schlosseigenen Hundefriedhof seine ewigen Jagdgründe finden wird. Das viel zu frühe Ableben des tiefergelegten Vierbeiners mit der kalten Schnauze setzt eine düstere Serie am rot-weißen Hof fort. Schon drei Teckel haben den Crashtest mit vorbeifahrenden Autos nicht bestanden, andere sind spurlos verschwunden. Dass jüngst die betagte Dackeldame Evita im gesegneten Alter von 14 Jahren - nach landläufiger Rechnung 98 Menschenjahre - sanft verschied, war eher eine Ausnahme.

Die Majestäten aus dem Hause Glücksburg trauerten tief, denn ein Leben ohne Dackel halten die dänischen Herrscher frei nach Loriot zwar für möglich, aber für sinnlos. Dienstboten allerdings, bei denen die Zahnreihen der alten Dackellady Evita, im Volksmund "Schreck der Hofgardisten" gerufen, schmerzhafte Spuren hinterlassen haben, mögen das anders sehen. Einmal musste sogar das Volk zur (erfolglosen) Suchaktion antreten, als der königliche Vierbeiner Zenobie das Weite gesucht und offensichtlich auch gefunden hatte.

Als Prinz Henrik einst mit Dackelblick schmachtete: "Ich liebe es, dein Fell zu streicheln" und "Einen Klaps willst du gerne haben", dachte er nicht an amouröse Abenteuer mit seiner blaublütigen Gemahlin. Das Liebesgedicht "A mon teckel" war Balthasar gewidmet, dem beliebtesten aller königlichen Dackel.

Ein tolles Hundeleben, das die Dackel im Norden da führen. Bei uns reichte es gerade zu einem Olympiamaskottchen namens Waldi. Und der war 1972 in München mit seinen psychedelischen Streifen ein so bunter Hund, dass viele Leute sich fragten: Was hat der genommen?

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