LBK: 100 neue Ärztestellen

Bereitschaftsdienste sollen abgeschafft werden

Der Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK) will in der Personalpolitik neue Wege gehen. Grundlage ist ein Modellversuch, über den die Bereitschaftsdienste in den LBK-Kliniken langfristig abgeschafft werden sollen. Durch die dadurch erzielten Einsparungen könnten nach Einschätzung des LBK-Vorstandssprechers Heinz Lohmann (54) baldmöglichst rund 100 neue Ärztestellen in den LBK-Krankenhäusern geschaffen werden. Die Stellen sollen über Gelder finanziert werden, die durch die Abschaffung der Bereitschaftsdienst-Zuschläge frei werden. Ein Teil des Geldes könne auch für organisatorische Maßnahmen eingesetzt werden. Schon seit rund einem Jahr arbeitet das Unternehmen an einer Neuorganisation von Diensten und Arbeitszeiten für seine 1450 Ärzte sowie zum Teil für Beschäftigte im Bereich Pflege. Auf der Basis des so genannten Panda-Projekts (Prozessorientierte Arbeitsorganisation, Neue Dienst- und Arbeitszeitmodelle) wurden in den LBK-Betrieben monatelang fünf verschiedene Arbeitszeitmodelle erprobt. Lohmann will die Ergebnisse und die weitere Vorgehensweise heute öffentlich vorstellen. Die Planung läuft unabhängig vom jetzt verkündeten Urteil zu den Bereitschaftsdiensten. Wie berichtet, hatte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt gestern eine Klage von Medizinern abgewiesen, die sich auf eine Richtlinie des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) berufen hatten, nach der Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit einzustufen sei. Nach dem Urteil von Erfurt müssen die Bereitschaftsdienste der Krankenhausärzte zunächst weiter als Ruhezeiten gewertet werden - nicht als Arbeitszeit. Der Präsident der Hamburger Ärztekammer, Jürgen Reusch (48), begrüßte die Initiative des LBK. Er hoffe, so Reusch, dass andere Hamburger Krankenhäuser bald nachzögen. Nur so sei die chronische Überlastung der Mediziner mit bis zu 30 Arbeitsstunden am Stück in den Griff zu bekommen.