100 Dinge: Stöbern in "Harry's Hamburger Hafenbasar"
Käpt'n Kurios
Fehlt Ihnen vielleicht ein Schrumpfkopf oder ein ausgestopfter Alligator? Oder soll es lieber ein senegalesisches Amulett sein?
Karin Rosenberg macht ihrem Namen alle Ehre und erzählt gerne blumige Geschichten.
Foto: Zapf/ORIGINAL zu : O:\BILDER\B_FERTIG
Hamburg. Dann werden Sie sicher in "Harry's Hamburger Hafenbasar" fündig, einer geheimnisvollen, fernen Welt: Götzen aus dem Senegal starren Sie an, daneben fantastische Masken der Dogon aus Mali, Schnitzereien vom mittleren Sepik in Neuguinea, Buddhafiguren aus Ceylon und Masken der Songe aus Zaire, 59 Euro das Stück, "zur Heilung leichter psychischer Störungen", wie ein Schild verspricht. In den Kellerkatakomben gibt es ausgestopfte Alligatoren und Paradiesvögel, Kegelmuscheln aus der Südsee, dazwischen eine Alpenlandschaft in Öl und ein Micky-Maus-Kalender von 1997: Kurioses, Seltsames und Seltenes, aber auch Kostbares, Erstaunliches und Gruseliges - "Harry's Hamburger Hafenbasar" ist eine unvergleichbare Institution und eine echte Attraktion der Hansestadt.
Karin Rosenberg, die heutige Besitzerin, ist wahrscheinlich die einzige, die in dem Labyrinth nicht die Orientierung verliert. Die Tochter des Gründers krabbelte schon als Kleinkind durch die Gänge. Ihr Vater Harry Rosenberg war Seemann, musste aber später aus gesundheitlichen Gründen an Land bleiben. Also machte er einen Laden auf, in dem er Briefmarken und Münzen verkaufte und eigentlich nur aus Dekorationsgründen ein paar exotische Reiseandenken ins Schaufenster stellte. Da diese Exotica aber auf viel größeres Interesse stießen als Münzen und Briefmarken, orderte er bei alten Matrosenkollegen Nachschub und eröffnete 1954 an der Bernhard-Nocht-Straße seinen Hafenbasar. Dort machten fortan Seeleute aus aller Welt ihre Mitbringsel zu Geld, das sie oft anschließend auf dem Kiez gleich wieder ausgaben. Harry's Basar hatte Kultcharakter, doch 1996 fiel eine Mietsteigerung so hoch aus, dass er die angestammten Räume aufgeben musste. Im Jahr 2000 starb Harry, doch sein Vermächtnis lebt weiter, denn Karin Rosenberg ließ sich nicht unterkriegen. In der Erichstraße, Ecke Balduinstraße fand sie ein neues und nun hoffentlich langfristiges Domizil, das zwar etwas kleiner ist als der ursprüngliche Laden, dessen einzigartige Atmosphäre aber unverfälscht bewahrt werden konnte. Harrys Tochter kann zu fast jedem Stück etwas erzählen, kennt dessen Herkunft und Bedeutung. Manche ihrer augenzwinkernd erzählten Geschichten klingen jedoch ein wenig nach Seemannsgarn - sicher ganz anders als die Heilsversprechung der Maske aus Zaire.
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Harry's Hamburger Hafenbasar, Erichstraße 56, 20359 Hamburg
Tel.: 040/31 24 82. www.hafenbasar.de
Öffnungszeiten: Di-So 12.00-18.00 Uhr
Preise: Erwachsene: 2,50 Euro; Kinder: 6-12 Jahre 1,50 Euro
Der Eintrittspreis wird bei einem Einkauf ab einem Warenwert von 10 Euro verrechnet.
ÖPNV: S 1 und S 3, Haltestelle Reeperbahn
Geeignet für Seebären, Fans seltener Andenken und ebensolcher Geschichten.







