100 Dinge: Per Paternoster in die Grindelhochhäuser
Ein Blick zum Anbeißen
Schon die Auffahrt ist ein Erlebnis: Rein ins Grindelhochhaus am Grindelberg 66 und rein in den Paternoster.
Kantinenbesucher sollten dringend über den Tellerrand hinausschauen: Dann können Sie bei gutem Wetter sogar bis zum Hafen gucken.
Foto: Duffé
Hamburg. Sanft knarzend werden Sie in die oberste Etage des Bezirksamts Eimsbüttel getragen. Dort oben im 11. Stock ist die Cafeteria 66, die kultigste Behördenkantine Hamburgs, mit einem wunderbar weiten Blick über die Stadt.
Es ist ein freundlicher Raum, mit blauen Stühlen, hellen Kunststofftischen, Topfpflanzen aus Plastik und großen Fenstern. Diese bieten Ausblick über ganz Eimsbüttel, bis zum Hafen im Süden und nach Ottensen im Westen.
Der Besuch lohnt sich auch, um ein Stück Architekturgeschichte aus der Nähe zu erleben. Denn die Grindelhochhäuser waren die ersten Hochhäuser Deutschlands. Für den Bau, der im Juli 1946 begann, hatten die englischen Besatzer tonnenweise Stahl und Beton ins zerbombte Hamburg geschafft. Sie wollten hier am Grindelberg ihr Hauptquartier errichten. Es kam jedoch anders als geplant: Die Truppen zogen nach Frankfurt um, hinterließen Hamburg eine Bauruine, und die Stadt übernahm das Projekt notgedrungen. 1956 zogen die ersten Mieter ein. Seit 1979 steht das Areal unter Denkmalschutz, inklusive der Cafeteria 66.
Wer kurz nach 12 Uhr herkommt, könnte Schwierigkeiten bekommen, einen Fensterplatz zu ergattern. Neben den Mitarbeitern des Bezirksamts sind hier etliche Rentner Stammgast. Bekocht werden sie von Jörg-Peter Borower. Seit 13 Jahren managt er mit seiner Frau Katrin Marschall die Kantine. Borower liebt die Aussicht an seinem Arbeitsplatz. "Am wichtigsten ist mir, dass ich von hier die HSV-Arena sehen kann, ich bin glühender Fan", sagt er. Dann kümmert er sich wieder um Pangasiusfilet, Kohlrouladen und Gemüsebratlinge, die heute auf der Speisekarte stehen. Kein Gericht kostet bei ihm mehr als 4,10 Euro, eine Currywurst ist für 2,80 zu haben. "Nichtbedienstete", wie die Speisekarte erklärt, zahlen 36 Cent Aufpreis.
Übrigens: Auch die Fahrt hinunter kann aufregend sein. Die Abendblatt-Reporter steckten ein halbes Stockwerk über dem Erdgeschoss plötzlich im Paternoster fest. Eine Dame hatte den Notknopf gedrückt. Sie kannte diese Art des Fahrstuhls nicht und dachte, sie müsse den Fahrkorb erst zum Halten bringen, um einzusteigen. Nur wie? Klar, kombinierte sie: durch Drücken der roten Stopptaste.
Aussicht
Cafeteria 66, Grindelberg 66, Harvestehude
Öffnungszeiten: Mo-Fr 7.30 bis 10.30 (Frühstück) sowie 11.30 bis 14.30, warme Küche bis 13.45.
ÖPNV: U 3, Haltestelle Hoheluftbrücke, Buslinien 5 u. 15, Haltestelle Bezirksamt Eimsbüttel
Geeignet für Paternoster-Freunde, Hochhaus-Fans und hungrige Beamte.







