Festival-Tipp

Hallo Festspiele: Zweite Ausgabe am und im Kraftwerk Bille

Bei den Hallo Festspiele wird getanzt, gespielt, konzeptioniert und verworfen, gespeist, getrunken und diskutiert

Foto: Pelle Buys

Bei den Hallo Festspiele wird getanzt, gespielt, konzeptioniert und verworfen, gespeist, getrunken und diskutiert

Seit Monaten ist ein buntes Völkchen rund um das ehemalige Kraftwerk Bille unterwegs, um für die "Hallo Festspiele", die heute beginnen, den Boden zu bereiten und Mitstreiter zu finden. Der Name ist Programm: Weder geht es hier um einzelne Kunst-, oder Musiksparten, noch um sonst etwas Fokussierbares. Und ganz wichtig ist: Alles, was hier bis zum 4. September zu erleben ist, steht gleichwertig nebeneinander, gemäß der alten Idee vom Kollektiv.

"Hallo" ist ein Wort, um jemand anderen willkommen zu heißen und ihn wahrzunehmen. Die Haltung dahinter ist so etwas wie ein Prinzip bei den vielen Aktivitäten, die der harte Kern des unterschiedlich großen Teams sich auf die Fahnen geschrieben hat. Performer, Musiker, Regisseure, Architekten, Freizeitköche und viele andere treffen hier aufeinander, um in der so genannten Schaltzentrale im Gebäude ins Gespräch zu kommen, gern auch mit Nachbarn. Gut vernetzt sind die Initiatoren mit ähnlichen Plattformen in Paris und Lissabon.

Aus Materialien, die in der Nachbarschaft nicht mehr gebraucht werden, wurden diverse Bühnen, Dächer, Küchen und Bars gebaut. "Uns geht es darum, Stadtpolitik wieder in die eigenen Hände zu bekommen", sagt Psychologin Maike Löschmann. Das bedeutet: "Wir diskutieren unter anderem darüber, wie man Kunst und Politik zusammenbringt und haben dazu auch Freunde eingeladen, die Lust haben, Dinge mit zu gestalten. Bei uns gilt, dass wir jeden Einzelnen radikal ernst nehmen mit seinen oder ihren Fähigkeiten." Entstanden ist ein beachtliches, originelles, vielfältiges Programm, in dem der Gemeinschafts-Gedanke, das Mit-Anpacken der Besucher die Oberhand behalten soll.

Während in den ersten Tagen erst gegen Abend Programm stattfindet, beginnt es von Freitag an schon um 14 Uhr. Dann und am Sonnabend soll eine Party steigen, mit viel tanzbarer Musik. Viele elektronische Acts stehen an, außerdem Weltmusik, HipHop und Ambient, es gastieren die Berliner Spatzhabibi, Guy Dermosessian und das DJ Kollektiv Fortuna Records aus Tel Aviv. Die Band Messer vertont die Romy-Schneider-Tagebücher, es wird ein Ambient Floor eingerichtet, und die Prager Elektro-Punk-Formation KPFMR ist mit einer Live-Performance vor Ort.

Darüber hinaus entsteht derzeit mit fünf SchauspielerInnen und einem Schlagzeug eine Installation zum Thema "Demokratie und Ohnmacht", und es sendet der eigene Sender "Hallo Radio" Geschichten aus dem Viertel, Musik, Nachrichten, Wetterberichte und Gespräche.

Hallo Festspiele Mo 29.8. bis So 4.9., Montag bis Donnerstag ab 14 Uhr Aufbau mit Besuchern, Programm ab ca. 17 Uhr, Freitag bis Sonnabend ab 15 Uhr, Kraftwerk Bille, Anton-Ree-Weg 50, Eintritt frei, Spenden willkommen

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