27.04.10

Kinder in Hamburg

Hinter den Kulissen der Asklepios-Klinik

Der helle Flur der Entbindungsstation gleicht einer Ruhezone. Als hätte jemand "Pssst!" befohlen. Dabei geht es hinter den Türen zur Sache.

Vier der fünf Kreißsäale sind momentan belegt, doch es dringt kein Ton nach draußen. "Nur wenn eine Frau laut schreit, hört man es auch auf dem Gang", erklärt Anke Ihling, Hebamme und pflegerische Gesamtleiterin im Perinatalzentrum der Asklepios-Klinik Altona.

Während vier Frauen in den Wehen liegen, wartet Angelika Sagner* darauf, dass auch ihr Kind auf die Welt drängt. Zwei Tage ist sie über dem errechneten Geburtstermin, weshalb sie regelmäßig zur Kontrolle muss. Hebamme Livia Görner ist zufrieden: Alles in Ordnung mit dem Baby. Görner ist keine der fest angestellten Hebammen, die im Schichtdienst arbeiten, sondern eine Beleghebamme, die die Frauen schon während der Schwangerschaft regelmäßig untersuchen und die Geburt von Anfang bis Ende begleiten. "Die Vorstellung eines Schichtwechsels behagt mir nicht", sagt Sagner. Ihre Hebamme, die in der Klinik fünf bis sechs Geburten pro Monat betreut, hat einen Vertrag mit dem Krankenhaus.

Den größten Teil der etwa 2500 Geburten pro Jahr in der Frauenklinik der Asklepios-Klinik Altona übernehmen aber die angestellten Hebammen. "Unsere Arbeit ist sehr wenig planbar", sagt Anke Ihling, die im Laufe ihrer 26 Berufsjahre etwa 2500 Kindern auf die Welt geholfen hat. Kinder, die geboren werden wollen, kümmern sich nicht um Dienstpläne und Tageszeiten.

Carolin Maric konnte die Geburt ihres Sohnes dagegen planen: "Wir hatten heute morgen für 7.45 Uhr einen Termin für einen Kaiserschnitt, weil der Kleine in Beckenendlage lag. Heute hat er sich dann noch richtig gedreht, aber wir haben es doch beim geplanten Kaiserschnitt gelassen." Der Eingriff ist nur fünf Stunden her, jetzt hält sie glücklich ihren Philip (3425 Gramm) im Arm. "Wahnsinn, es ist noch gar nicht so wirklich", sagt die 34-Jährige aus Ottensen über ihr erstes Kind erschöpft, aber strahlend.

Die kleine Tochter ihrer Zimmernachbarin Bettina Homfeldt ist mit 2550 Gramm eine zarte Elfe, doch längst fit für den Abflug nach Hause. "Aber mein Kreislauf macht noch nicht mit", sagt Bettina Homfeldt. Die 44-Jährige wirkt dennoch relaxed und blickt liebevoll auf Lina-Sophie. "Sie ist meine Nachzüglerin, ich habe schon eine Tochter, 16, und Zwillinge, 13."

Alle Schmerzen sind vergessen, auf der Wöchnerinnenstation zählen jetzt die kleinen Wesen, während in den Kreißsälen die nächsten Frauen in den Wehen liegen. "Es ist wichtig, immer daran zu denken, dass eine Geburt für eine Frau eine Ausnahmesituation ist", betont Anke Ihling, doch mitleiden würden Hebammen nicht: "Wir haben einen helfenden Beruf, aber wenn wir mit jeder Frau mitleiden würden, könnte wir es nicht lange durchhalten."

Lucia Carlotta, die Tochter von Angelika Sagner, ließ sich noch sechs weitere Tage Zeit.

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