Kampf gegen den Satanskult

JUGENDSCHUTZ Die Sekten-Beauftragte Ursula Caberta stellte neues Projekt ihrer Dienststelle vor.

Erst bekämpfte sie nur Scientologen, jetzt ist Ursula Caberta auch für Hexen, Teufel und Schamanen zuständig. Noch der alte Senat übertrug der Arbeitsgruppe Scientology, die Caberta leitet, die Zuständigkeit für den "erzieherischen Jugendschutz" - und damit für den Schutz der Jugend vor neuen religiösen Bewegungen und Psychogruppen. Gestern stellte Caberta ein Produkt ihres neuen Arbeitsfelds vor: die Broschüre "Okkultismus und Satanismus", die sich vor allem an Pädagogen, aber auch an interessierte Bürger richtet (Bezugsadresse: Behörde für Inneres, Arbeitsgruppe Scientology, Stichwort: Broschüre Okkultismus/Satanismus, Eiffestraße 644 b, 20532 Hamburg, oder im Netz unter www.arbeitsgruppe-scientology.de).

"Die Erwachsenen müssen zuerst begreifen, was hinter okkulten Praktiken steckt", sagte Caberta. Die Autoren der Broschüre - Ingolf Christiansen, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Landeskirche Hannover, und Hartmut Zinser, Religionswissenschaftler der FU Berlin - informieren auf 110 Seiten über die ganze Palette des Aberglaubens, von Astrologie und Gläserrücken bis zu schwarzen Messen. Bedenklich würden okkulte Praktiken, so Zinser, wenn man Entscheidungen nach ihnen ausrichte, wenn man etwa das Pendel entscheiden lasse, ob die neue Freundin die Richtige ist: "Da wird Verantwortung abgegeben an die Geister." Kämen politische Interessen ins Spiel, werde es "hochgradig gefährlich".

Christiansen bezifferte die Zahl der "Harcore-Satanisten" in Deutschland auf 3000 bis 7000, "mit steigender Tendenz". Diese Personen würden Ritualtötungen zumindest billigend in Kauf nehmen. Das Satanisten-Ehepaar, das in Bochum angeklagt ist, einen Freund ermordet zu haben, sei aber eine Ausnahme. Satanisten gehe es nicht primär darum, den Teufel anzubeten, sondern darum, selbst wie Gott zu sein. Problematisch sei, dass Eltern sich oft nicht darum kümmerten, was ihre Kinder geistig konsumieren: "Wenn man sich die Satanisten-Seiten im Internet anguckt, kann einem angst und bange werden." Zeigten sich Jugendliche plötzlich depressiv oder aggressiv, könne das auf eine Verstrickung in okkulte Szenen hinweisen.

Scharfe Kritik übte Caberta an einer Veranstaltungsreihe über Hexen und Schamanen im Museum für Völkerkunde. Sie sei "erschüttert", wie unkritisch offenbar dort okkulte Praktiken dargestellt würden. (kst)

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