Meir Medelsohn: In Deutschland vorbestraft

Bubis-Grab in Tel Aviv geschändet

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Der Grabschänder begründete die Tat im Gespräch mit der Zeitung "Haaretz" mit den Worten: "Ich wollte die Menschen aufwecken. Wenn man den Taten von Bubis nachforscht, wird man schreckliche Dinge herausfinden." Bubis habe Bordelle besessen und sei für die Studentenrevolte 1968 in Deutschland mitverantwortlich gewesen. Außerdem habe er alte Wohnsubstanz abgerissen, um Hotels zu bauen.

"Ich habe ein Verbrechen begangen und den Toten geschändet", gab Mendelsohn zu. "Ich bereue es jedoch nicht." Er warf Bubis vor, er habe "sein Jüdischsein ausgenutzt, er war ein Dieb, ein Betrüger und ein Lügner . . . Er war ein Judenrat in seinem Konzentrationslager."

Bubis war am Ende des Zweiten Weltkriegs 18 Jahre alt. Sein Vater, sein Bruder und eine Schwester kamen im Holocaust um. Bereits 1993 hatte Bubis den Wunsch geäußert, in Israel beerdigt zu werden. Dies sei "Teil meiner jüdischen Tradition".

Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn, selbst Jude, hat eine Untersuchung der Vorwürfe gegen Bubis gefordert. "Grabschändung ist eine Schande. Trotzdem muss die Stichhaltigkeit der Vorwürfe geprüft werden", schrieb Wolffsohn in der "Neuen Revue". Wolffsohn lehrt neuere Geschichte an der Münchner Bundeswehrhochschule. Er hatte Bubis nach dessen Äußerungen über eine Schlussstrich-Mentalität der nicht-jüdischen Deutschen zum Rücktritt aufgefordert.

Der Zentralrat kritisierte unterdessen die Spekulationen um einen Nachfolger für Bubis. Offenbar wollten sich einzelne Personen mit der Nennung von Namen profilieren, sagte Vizepräsidentin Knobloch. Als möglicher Nachfolger wird der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Andreas Nachama, gehandelt.

afp Tel Aviv - Meir Mendelsohn, ein streng gläubiger Jude, hat sein Leben zwischen Israel und Deutschland verbracht. So wechselhaft wie seine Wohnsitze waren auch seine Beschäftigungen: Er hat sich als Informatiker, als Kommunalpolitiker und als Künstler versucht. Erfolgreich war der 50-jährige aber in keinem Bereich. Geboren wurde er in Tel Aviv, wohin seine deutschen Eltern nach der Machtergreifung Hitlers geflohen waren. Im Anschluss an den Militärdienst zog es ihn 1968 nach Frankfurt am Main, wo er Informatik studierte und Kurse in Judaismus gab.

1972 lernt er in Tel Aviv eine (nicht-jüdische) deutsche Touristin kennen, heiratet sie und zieht nach Düsseldorf. Der zweifache Vater ist wegen betrügerischen Bankrotts vorbestraft. Einst fünffacher Kneipenbesitzer, ernährt er heute seine Familie von "Aktivitäten in der jüdischen Gemeinde und vom Malen". Nach Angaben der "Bild"-Zeitung betreibt er ein Restaurant in Tel Aviv und betätigt sich als Heiratsvermittler.

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