"Ihr Zustand ist ernst"

Sorge um Bombenopfer aus Bremen

Eigener Bericht - SAD - dpa Bremen/London, 19. Juli In Bremen bangen noch immer drei Familien ufn das Leben Ihrer Angehörigen. Nach dem Bombenanschlag im Londoner Tower liegen fünf Bremer, darunter drei Kinder, mit schweren Verletzungen im St. Bartholomew's Krankenhaus der britischen Haupstadt. Wie die Klinik auf Anfrage mitteilte, kann bei keinem der fünf Deutschen der Zustand als gut bezeichnet werden.

Der 30jährige Bernhard Rehling erlitt nach dem Attentat einen Beinbruch und Prellungen. Seine Tochter Anja (8) trug Unterleibsverletzungen und einen Leberriß davon. Dem zwölf Jahre alten Martin Oschmann fügte die Bombe schwere Verbrennungen und einen Schädelbruch zu. Außerdem rissen ihm die Splitter einen Finger ab. Zwei oder drei weitere Finger müssen vermutlich amputiert werden. Seine Mutter Heidi (32) hat einen Beckenbruch und eine Fraktur des rechten Beines. Der zwölfjährige Frank Sieling erlitt Augenverletzungen, Verbrennungen an beiden Armen und Beinen sowie einen mehr-, fachen Kieferbruch.

Käthe Oschmann, die Mutter von Heidi Oschmann, hat inzwischen mit ihrer Tochter im Krankenhaus telefoniert. Sie wird am Sonnabend nach London reisen.

Der Tower, der gestern geschlossen war, wird vermutlich heute wieder ge- öffnet. Nur der White-Tower, jener Teil, in dem die Bombe explodierte, soll noch länger geschlossen bleiben. Scotland Yard ist sich darüber im klaren, daß die Touristenattraktion ? im Sommer kommen täglich rund 15 000 Besucher zum Tower ? nicht optimal geschützt werden

kann. Raummangel mache es unmöglich, alle von den Touristen mitgebrachten Gepäckstücke und Pakete einzusammeln und aufzubewahren. Das Personal soll jedoch künftig häufiger als zuvor alle Räume auf verdächtige Gegenstände untersuchen.

Inzwischen wurde bekannt, daß die Bombe aus etwa fünf Kilogramm Plastiksp'rengstoff bestand. Die Masse wurde mit einem Wecker gezündet.

Der Präsident des politischen Flügels der illegalen Irisch Republikanischen Armee (IRA), Ruairi O'Bradaigh, erklärte in Brüssel, seines Wissens habe die IRA nie Bomben gezündet, ohne eine Warnung auszusprechen. Eine Londoner Rundfunkstation hat inzwischen rund 3000 Mark Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgesetzt. Ein amerikanischer Fotojournalist hat kurz vor der Explosion einen Mann gefilmt, der weglief. Dia Polizei erhofft sich durch' diesen Film Hinweise auf den Attentäter.

Der konservative Abgeordnete Edward Taylor forderte im Unterhaus die Wiedereinführung der Todesstrafe für Mordtaten, die mit Schußwaffen und Sprengstoff verübt werden sowie für Mord an Polizisten und Gefängnispersonal. \

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