EINER DER KOSTBARSTEN SCHÄTZE DER HAMBURGER KUNSTHALLE

Meister Bertrams Buxtehuder Altar

Der Buxtehuder Altar von Meister Bertram, den wir in unserer Weihnachtsausgabe zum erstenmal nach Originalfarhaufnahmeh im ganzen veröffentlichen, gilt als eines der schönsten Und besterhaltenen Werke mittelalterlicher Malerei. Meister Bertram, der erste Hamburger Maler, den wir mit Namen kennen, hat ihn um 1410 für das Fräuenkloster von Buxtehude geschaffen. Im gleichen Jahr 1410 wird er in den Urkunden als "Ältermann des Maleramtes" erwähnt. Der Altar wurde 1905 von Alfred Lichtwark, dem damaligen Direktor der Kunsthalle, aus Buxtehude nach Hamburg zurückgeholt und gehört seitdem zusammen mit dem andern großen Altar von Meister Bertram, dem sogenannten Grabower Altar, zu den kostbarsten Schätzen der Hamburger Kunsthalle. Der Altar behandelt ein Thema,

das den frommen Klosterfrauen besonders am Herzen lag: das Leben der Maria. Im Grabower Altar ist die Schöpfungsgeschichte dargestellt, in einem strengen, monumentalen Stil. Im Marienaltar dagegen geht es dem Maler nicht um Feierlichkeit, sondern um ein anschauliches Erzählen. Die Figuren sind wirkliche Menschen, und die einzelnen Szenen geben eine Vorstellung vom damaligen Leben. Da sieht man ? auf Tafel 4 ? eine bürgerliche Wochenstube. Die Wöchnerin hat eine Schüssel mit Brei auf dem Schoß, die Nachbarin bringt einen Suppentopf, überm Herdfeuer wird der Wasserkessel gewärmt, um den Säugling zu baden. Maria strickt, beim Besuch der Engel (Tafel 15), mit langen hölzernen Nadeln an einem roten Kleid. Die Hochzeit zu Kana (Tafel 16) wird zu einer fröhlichen Familienfeier in

einem Hamburger Patrizierhaus. Der Bräutigam trägt einen eleganten Federhut. Überall kann man beobachten, wie der Maler auf die modische Tracht die größte Sorgfalt verwendet, nicht nur bei den Frauen, sondern sogar bei dem Soldaten, der ? auf Tafel 12 ? mit einem Schellengürtel ausstaffiert ist. Der Buxtehuder Altar ist ein Flügelaltar. Wenn die Flügel geöffnet sind, sieht man zwei Reihen von je acht Tafeln übereinander. Um alle 16 Tafeln auf dieser Seite unterzubringen, zeigen wir auf der oberen Hälfte den Mittelteil, darunter die beiden Flügel. Die genaue Reihenfolge der Bilder entnehmen Sie bitte dem nebenstehenden Quadrat mit den entsprechend numerierten Feldern. Im Folgenden nennen wir Ihnen die Titel und Motive der einzelnen Tafeln. Sie beginnen bei Marias Eltern Joachim und Anna und führen durch alle Stationen des Marienlebens bis zur Hochzeit zu Kana.

I. Joachims Opfer; 2. Der Engel verkündet Joachim die Geburt einer Tochter; 3. (1. Reihe oben links) Joachim und Anna begegnen sich an der goldenen Pforte; 4. Die Geburt der Maria; 5. Die Verkündigung; 6. Die Heimsuchung: Besuch Elisabeths bei Maria; 7. (dritte Reihe links) Die Geburt Christi; 8. Die Verkündigung an die Hirten; 9. Die Beschneidung Christi; 10. Die Anbetung der Könige; II. (2. Reihe links) Die Darstellung im Tempel; 12. Der Bethlehemitische Kindermord; 13. Die Flucht nach Ägypten; 14. Der zwölfjährige Christus im Tempel; 15. (unterste Reihe links) Der Besuch der Engel bei Maria ? ein in der Maleroi sonst kaum bekanntes Motiv; 16. Die Hochzeit zu Kana. G. S.

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