Mi, 31.10.12, 11.31

Psychische Gesundheit Erfolg durch ein gesundes Gleichgewicht

Berufstätige, Unternehmen, Volkswirtschaft: Warum modernes Betriebliches Gesundheitsmanagement für alle so wichtig wie nützlich ist

Gesundheit ist ein hohes Gut. Eine Binsenweisheit, deren aktuelle Bedeutung angesichts stetig wachsender Anforderungen im Berufs- wie im Privatleben nicht deutlich genug betont werden kann. Arbeit und Karriere, Familie und Freunde, Hobby und Freizeit erfolgreich unter einen Hut zu bringen, ist heute für viele weit mehr als ein Fulltime-Job.

In Deutschland verbringen 40 Millionen Menschen rund 40 % ihrer wachen Zeit mit Erwerbsarbeit. Dabei können sie Anerkennung und Zufriedenheit erfahren und ihre Persönlichkeit entwickeln. Die Kehrseite dieser Medaille sind hohe Belastungen für Körper und Geist, Unsicherheit der beruflichen Existenz oder unbefriedigende Beziehungen zu Vorgesetzten oder Kollegen. Wenn diese negativen Faktoren das Arbeitsleben dominieren, können sie die Gesundheit gefährden und die Lebensqualität mindern. Und das ist immer öfter der Fall.

Heutzutage hat laut Schätzungen des Fachbereichs Sozialökonomie der Universität Hamburg rund ein Drittel aller Fälle von krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit seine Ursachen in beruflichen Belastungen. Die Arbeit ist bis zu 35% verantwortlich für die bei uns häufigsten Leiden wie Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Hautkrankheiten oder Erkrankungen des Bewegungsapparats. Eklatant ist besonders der überproportionale Anstieg psychischer Störungen um 80% innerhalb der letzten zehn Jahre.

Würde die Arbeit den Menschen weniger belasten, würde dies die Sozial- und Gesundheitskassen überaus wirksam entlasten. Gesunde und gute Arbeit wäre darüber hinaus für unsere Systeme der gesetzlichen und betrieblichen Rentenversicherung von Vorteil. Sie fördert über alle Altersgruppen hinweg den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit, was angesichts des demografischen Wandels von besonderer Bedeutung ist. Schätzungsweise die Hälfte der Fälle von Frühinvalidität hat arbeitsbedingte Ursachen. Durch gesundheitsbewusste Arbeit würden die Versicherungen nach Berechnung der Sozialökonomen jährlich etwa 12,5 Milliarden Euro weniger ausgeben müssen. Noch wichtiger: Die Erwerbstätigen könnten sich über mehr Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe freuen, während ihre Arbeitgeber Krankheitskosten senken, die Produktivität erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit steigern würden.

Ein wesentliches Instrument, die Arbeit in diesem Sinne zu verändern, ist die Betriebliche Gesundheitsförderung. Internationalen Studien zufolge weisen diesbezügliche Investitionen ein lukratives Kosten-Nutzen-Verhältnis auf: Ein in Gesundheit investierter Euro bringt zwischen fünf und 16 Euro zurück in die Kasse. Evaluationsstudien zeigen, dass Beschäftigte, die sich an Programmen betrieblicher Gesundheitsförderung beteiligten, anschließend um bis zu 30% niedrigere krankheitsbedingte Fehlzeiten aufwiesen. Und wenn heute tatsächlich, wie es Umfragen immer wieder nahelegen, nur jeder achte Beschäftigte hoch motiviert arbeitet, die übrigen aber hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben, weil sie mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden sind, liegt ein zusätzlicher Nutzen dieser Investitionen auf der Hand: Bessere betriebliche Verhältnisse steigern die Leistungfähigkeit und -bereitschaft, ergo steigen Output und Rentabilität des Betriebes.

Eine konstruktive betriebliche Förderung der Gesundheit orientiert sich am Gedanken der Ganzheitlichkeit, ist also weit mehr als Krankheitsvermeidung. Statt nur zu fragen, was krank macht, fragt sie immer auch, was körperlich, seelisch, geistig, sozial und ökologisch gesund hält. Auf freiwilliger Basis, aus sozialer Verantwortung und wohlverstandenem wirtschaftlichem Interesse will sie einen nachhaltigen "Gesundheitsgewinn" für Beschäftigte wie Betriebe realisieren. Das haben viele Unternehmen bereits erkannt und mit Unterstützung der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften entsprechend gehandelt. Denn schließlich ist die Gesundheit ein hohes, wenn nicht gar das höchste Gut.