Fussball: Wildwest-Szenen am Wochenende
Tatort Bundesliga: Der DFB ermittelt
München. Verbale Fouls, obszöne Gesten und rohe Gewalt - mit einer nicht alltäglichen Anhäufung fast schon skandalöser Fehltritte haben sich die Idole von Millionen Fußball-Fans daneben benommen und die Bundesliga in Verruf gebracht. Die "Arschloch-Affäre" um Mario Gomez, die Platzverweise für Diego und Mark van Bommel sorgen noch immer für Gesprächsstoff. Das Rennen um die Meisterschaft, der Kampf um die lukrativen Europapokalplätze und der Abstiegskampf zehren an den Nerven - Fairplay bleibt offenbar auf der Strecke.
Die Fußball-Prominenz warnt allerdings vor einer Dramatisierung: "Gomez hat sich entschuldigt. Ich denke, man sollte sich anderen Themen zuwenden", sagte Franz Beckenbauer. Und HSV-Idol Uwe Seeler: "Natürlich haben Nationalspieler Vorbildfunktion, trotzdem kann einem das eine oder andere Wort mal entwischen." Einen Sittenverfall kann Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel nicht feststellen. Aber: "Was uns Schiedsrichter am meisten ärgert, wenn verbal nachgetreten wird."
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist unterdessen aktiv geworden. Kontrollausschuss-Vorsitzender Anton Nachreiner ermittelt in der Sache Gomez und hat eine Stellungnahme angefordert. VfB-Stürmer Gomez hatte nach dem 3:1 gegen Karlsruhe seinen Gegenspieler Maik Franz als "Arschloch" bezeichnet. Gomez hat sich inzwischen mehrfach entschuldigt, doch er wird sich vor dem DFB-Kontrollausschuss für seine Äußerungen verantworten müssen. Mindestens eine Geldbuße, aber auch ein Verfahren und eine höhere Strafe drohen.
DFB-Teammanager Oliver Bierhoff nahm den VfB-Profi in Schutz: "Die Wortwahl war verkehrt, aber man muss sehen, dass man direkt nach dem Spiel sicher ein bisschen erregt ist und teilweise nicht die richtigen Worte findet." Ähnliche Anteilnahme widerfährt Bremens Spielmacher Diego, der nach etlichen Rempeleien des Gegners und einem derben "Stand up and fuck you" seines Frankfurter Widersachers Sotirios Kyrgiakos die Nerven verlor. Der Brasilianer streckte den Griechen mit einem Crosscheck zu Boden und kassierte die Rote Karte.
Auch Diego entschuldigte sich, eine Sperre von drei Spielen hat er sichdennoch eingehandelt. Ein schwerer Verlust für Werder im Titelrennen, aber kein Grund, die Schuld für Diegos Ausraster bei anderen zu suchen. Die Annahme von Trainer Thomas Schaaf, eine Aussage von Bayern Münchens Profi van Bommel ("Diego ist ein Schwalbenkönig") nach dem Liga-Gipfel vor zwei Wochen habe Stimmung gegen Diego gemacht, ist nicht nachvollziehbar.
Auch nicht die erneute Unbeherrschtheit von van Bommel im Spiel gegen den HSV. Hinter dem Rücken von Schiedsrichter Lutz Wagner zeigte der Niederländer dem Referee die "Stinkefaust". Zuvor hatte van Bommel wegen Meckerns und hämischen Beifalls die Ampelkarte gesehen. "Das war eine Undiszipliniertheit, die ich nicht dulden werde", sagte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld und kündigte eine Geldstrafe an.
Nürnbergs Trainer Thomas von Heesen will Torhüter Jaromir Blazek, der sich mit den eigenen Fans anlegte, gar auf die Ersatzbank setzen. Andere kommen zumindest intern ungeschoren davon. "Was soll er denn machen? Er ist ein aggressiver Spieler", verteidigte Schalkes Trainer Mirko Slomka Jermaine Jones, der erst nach dem dritten üblen Foul gegen Leverkusens Stephan Kießling Gelb-Rot sah.
Spieler wie der Slowake Stanislav Sestak (Bochum), der sich ähnlich wie Diego als "Freiwild" verfolgt fühlt, erklären, dass in der Bundesliga "oft unnötig hart gespielt wird".




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