Nachspiel: Bremens Brasilianer Diego redet über das Tabuthema "Trash-Talking"
Verbale Provokationen sind wohl ein Teil des Spiels
Die 40. Minute des Bundesligaspiels in Frankfurt ließ das WM-Finale 2006 aufleben: Als sich Eintracht-Verteidiger Kyrgiakos nach einem gewonnenen Zweikampf umdrehte und Bremens Brasilianer Diego verbal attackierte, rastete der Werder-Profi in bester Zidane-Manier aus. Er verpasste dem Griechen Kyrgiakos zwar keine "Kopfnuss" à la Materazzi, es reichte aber zu einem gezielten Schulterstoß gegen den Oberkörper, einer klaren Tätlichkeit - Rot und raus.
Die Nachlese des Duells fiel nicht weniger ungeschickt aus. Diego entschuldigte sich zwar für seinen Ausraster, versuchte sich aber via Dolmetscher zu rechtfertigen. Kyrgiakos habe ihn beschimpft, ihn provoziert. "Fuck you and stand up", habe er ihn auf English angebrüllt, da seien die Nerven mit ihm durchgegangen. Diego setzte seine Unschuldsmiene auf und fügte jammernd hinzu: "Unter uns Spielern sollte Fairness herrschen..."
Ja, was erlauben sich Kyrgiakos eigentlich? So hätte Giovanni Trapattoni möglicherweise in einer seiner berühmten Reden gepoltert - oder eben auch nicht. Denn auch, wenn Diego so tat, als seien verbale Provokationen und Beschimpfungen außergewöhnliche Erscheinungen, so sieht die Realität doch anders aus. "Trash Talking", zu deutsch: Müll reden, ist ein taktisches Mittel, das in fast allen Sportarten weltweit genutzt wird. In der nordamerikanischen Basketballliga NBA gilt nach wie vor: "Your game is as ugly as your girl - Dein Spiel ist so hässlich wie deine Freundin". Soll heißen: Jeder Spruch ist ein Psycho-Trick, der zur Schwächung des Kontrahenten beitragen soll. In der Fußball-Bundesliga war Herbert Finken der erste Müll-Redner. In der Saison 1965/66 absolvierte er zehn Spiele für Tasmania Berlin. Seine Gegenspieler begrüßte er mit den Worten: "Mein Name ist Finken, und du wirst gleich hinken!"
Muss man dieses Müll-Reden bestrafen? Sollte die DFL neben Torkameras nicht gleich auch noch Richtmikrofone aufstellen? Die Antworten müssen nein lauten. Es sei denn, dem Sport soll nach der irrsinnigen Jubel-Bestrafung ein weiterer Emotionsverlust verordnet werden.
Vielmehr sollte sich Diego mal bei seinen Teamkollegen umhören (speziell bei den Herren Frings, Wiese, Borowski), ob verbale Reizpunkte nicht vielleicht doch dazugehören. Fredi Bobic hat es einmal treffend beschrieben: "Es gibt eine Art Ehrenkodex. Nach dem Spiel sollte alles vergessen sein." Das heißt: Es soll auch nicht darüber gesprochen werden. Diego hat also gleich gegen zwei Regeln verstoßen.




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