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FC St. Pauli ist kerngesund

Bilanz. 3,1 Millionen Euro Überschuss - der Verein erreicht den höchsten Gewinn in seiner Geschichte.

Hamburg. Negativmeldungen gab es in den vergangenen Wochen und Monaten kübelweise. Mit dem sportlichen Misserfolg verhärteten sich die Fronten zwischen den verschiedenen Interessensgruppen, und die teils verdeckt, teils mit offenem Visier ausgetragenen Machtkämpfe trieben unaufhaltsam ihrem Höhepunkt bei der Mitgliederversammlung am kommenden Freitag im CCH entgegen. Ob es die Abwahlanträge gegen Präsident Reenald Koch und seinen Vize Christian Pothe sind, das unsichere Finanzierungskonzept für das neue Stadion, die Neuwahlen beim Aufsichtsrat oder die Entmachtung von Manager (und Vizepräsident) Stephan Beutel oder die angebliche finanzielle Schräglage der Stadion-Betriebsgesellschaft - es muss tatsächlich vieles auf-, ab- und weggearbeitet werden. Bei diesem katastrophalen öffentlichen Erscheinungsbild musste beim neutralen Beobachter zuletzt der Eindruck entstehen, beim FC St. Pauli regiere das blanke Chaos. So gar nicht ins Bild passt da fertig gestellte Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr, die gestern vom Präsidium an die Aufsichtsratsmitglieder übermittelt wurde. Bei einem Umsatz von 17 Millionen Euro (2000/01: 8,7 Millionen Euro) weist die Gewinn- und Verlustrechnung zum 30. Juni 2002 ein Jahresergebnis von 3,1 Millionen Euro aus, fast doppelt so viel wie vor einem Jahr erwartet. Einen derartigen Überschuss gab es in der 92-jährigen Geschichte des Vereins noch nie, schon gar nicht in der jüngeren Vergangenheit. Unter dem ehemaligen Präsidenten Heinz Weisener waren die Salden stets und zuletzt mit einem dicken Minus versehen: -944 103 Euro in der Saison 1999/2000, -1,691 Millionen Euro 1998/99 und -333 300 Euro 1997/98. Unter Kochs Ägide dagegen wurde schon in der Zweiten Liga die Entschuldung weitestgehend vollzogen, das vorletzte Geschäftsjahr war mit einem Gewinn von 474 930 Euro (vor Steuern) abgeschlossen worden. Der nun weit höhere Gewinn trotz umfangreicher struktureller Investitionen - allein in das Nachwuchszentrum Brummerskamp wurden 1,35 Millionen Euro gesteckt, die Vorlaufkosten beim Stadionneubau belaufen sich inzwischen auf über drei Millionen Euro - wurde vor allem dank der größeren TV-Einnahmen in der Ersten Bundesliga (zehn Millionen Euro) möglich. Und auch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr ist positiv: Der Club rechnet mit einem Gewinn zum 30. Juni 2003 von 970 000 Euro. An liquiden Mitteln hat der Verein derzeit rund 2,2 Millionen Euro auf der Bank, zudem kann der Verein mit einem Darlehensrückfluss von 1,5 Millionen Euro von der Betriebsgesellschaft rechnen, wenn das Stadion-Projekt realisiert wird. Wer mag da ernsthaft noch an drohende Insolvenzen von Tochtergesellschaften denken? Dabei bewegt sich St. Pauli in einem äußerst schwierigen Umfeld. Die Konkurrenten in der Zweiten Liga haben mit massiven Finanzproblemen zu kämpfen, nicht nur der kommende Gegner Reutlingen. Die Gesamtverschuldung der zweiten Spielklasse beispielsweise lag im Geschäftsjahr 2000/01 insgesamt bei über 100 Millionen Euro, der durchschnittliche Jahresfehlbetrag pro Lizenznehmer (Verein) in der Zweiten Liga betrug 800 000 Euro. An den Zahlen der vorliegenden Bilanz dürfte es also nicht liegen, wenn die anstehende Mitgliederversammlung hitzig werden sollte. . .

 

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