So arbeitete die Wett-Mafia
Unter Verdacht stehende Schiedsrichter dementieren - Dominik Marks heute vor DFB-Kontrollausschuß.
Hamburg. Das Lokal sieht unscheinbar aus. Vor dem Eingang ist ein grüner Teppich ausgerollt. Von links nach rechts. So wie die Fußballspiele laufen. Hier, nicht ausschließlich, aber doch des öfteren, soll sich die Wettmafia getroffen haben, um Spiele auszusuchen, die anschließend manipuliert werden sollten. Robert Hoyzer, gegen den der Deutsche Fußball-Bund gestern Strafanzeige erstattet hat, soll hier gesessen haben. Und einige kroatische Landsleute. Unter ihnen ein Kroate, der alles im Griff hat - und dazu viel Geld im Rücken. Er - auch seine zwei Brüder sollen dabei sein - dirigierte alle, sein Wort galt.
So soll es auch im Sommer 2004 gewesen sein. In Berlin, so nun der Tip aus der Hauptstadt, wurde folgender Plan ausgeheckt, der deutlich macht, wie die Wettmafia gearbeitet hat: Geld wurde demnach nicht nur auf ein Regionalliga-Spiel gesetzt, sondern auch noch auf ein zweites. Eine sogenannte "Kombiwette". Beide Partien fanden am 11. August 2004 zur gleichen Zeit statt. Verknüpft wurden die Drittliga-Begegnungen VfL Wolfsburg (A) gegen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (A) gegen Arminia Bielefeld (A). Das Spiel in Wolfsburg wurde von Robert Hoyzer geleitet - die Wettmafia hatte auf einen Auswärtssieg gesetzt. Das Spiel in Berlin wurde von Dominik Marks (Berlin) gepfiffen, es sollte in diesem Kombi-Tip einen Heimsieg für Herthas Nachwuchs geben.
Aber: Der Kombi-Tip ging daneben. Hertha siegte zwar unter "kuriosen Umständen" (so Bielefelds Manager Thomas von Heesen gestern im Abendblatt) mit 2:1, aber in Wolfsburg blieb der Auswärtssieg aus. Weil VfL-Stürmer Roy Präger in der 89. Minute das 1:1 geköpft hatte. Bis zum Schlußpfiff, so erinnerte sich der frühere HSV-Spieler Präger vor zwei Tagen im Abendblatt, gab es "trotz längerer Nachspielzeit" keine Gelegenheit mehr für Düsseldorf - die Wettmafia hatte viel Geld in den Sand gesetzt. Der DFB hatte sich im Zuge der Ermittlungen gegen Hoyzer auch mit dem Spiel in Wolfsburg befaßt, fand allerdings keinerlei Anhaltspunkte, um eine Manipulation nachweisen zu können.
Dominik Marks, Leiter der Berliner Partie, hat alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Der BWL-Student in der "Bild": "Es ist unfaßbar, daß einfach mein Name in diesem Zusammenhang in der Öffentlichkeit genannt wird. Das ist ein klarer Versuch des Rufmords. Ich schwöre, daß ich nichts mit Wetten zu tun habe."
Die wohl entscheidende Frage in diesem Zusammenhang: Ist es vorstellbar, daß die Wettmafia auf ein Spiel setzte, ohne daß der Schiedsrichter eingeweiht war, ohne daß sie also mit einiger Sicherheit davon ausgehen konnte, daß es auch tatsächlich zu dem gewetteten Ergebnis kommt?
Marks sagt: "Ich bin seit 15 Jahren leidenschaftlicher Schiedsrichter und würde niemals meine Karriere für ein paar Euro wegschmeißen." Weiter sagte er, daß der Schiedsrichter-Beobachter des DFB seinem Gespann "eine ordentliche Leistung" bescheinigt habe. Nach Angaben von Regionalliga-Staffelleiter Heinz-Leopold Schneider aus Bochum aber gab es bei dieser Partie gar keinen Spielbeobachter . . .
Immerhin hält der DFB diese neuen Hinweise für so schwerwiegend, daß Dominik Marks heute nach Frankfurt geladen wurde, um vom DFB-Kontrollausschuß verhört zu werden. Ist Hoyzer doch kein Einzelfall?
Andere Verhöre wird es demnächst in Berlin geben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat alle bisherigen Ermittlungspapiere im "Fall Hoyzer" an die Staatsanwaltschaft nach Berlin abgegeben. "Die Tatort-Zuständigkeit ist entscheidend, nicht der Wohnort", so begründete Klaus Ziehe, der Sprecher der Braunschweiger Anklagebehörde, den Wechsel. Der des Wettbetrugs verdächtige Hoyzer, der die Vorwürfe bestreitet, hat seit vier Monaten einen Wohnsitz in Salzgitter. Die vom DFB genannten Spiele, die der Berliner Unparteiische manipuliert haben soll, fanden aber bereits vorher statt.
"Wir müssen mit der gebotenen Sorgfalt vorgehen, besonders bei einem Beschuldigten, dessen Name, Bild und Wohnung in der Öffentlichkeit bekannt sind", sagt Ziehe. Er schloß nicht aus, daß die Vorermittlungen noch zwei Wochen oder auch länger dauern könnten. Erst danach könnte ein Ermittlungsverfahren eröffnet werden.
Was aber bereits jetzt gegen Robert Hoyzer spricht: Der Fernsehsender RTL berichtete in seinem Programm am Dienstag und am Mittwoch (Punkt 12, das RTL-Mittagsjournal) von einem mysteriösen Kauf einer Eigentumswohnung. Demnach soll Hoyzer der Mutter seiner (damaligen) Freundin eine Wohnung in Berlin gekauft haben - und die Kaufsumme von 330 000 Euro bar beglichen haben. RTL soll diese Angabe vom Landeskriminalamt Berlin erhalten haben. Sollte sich dieser Vorgang als wahr herausstellen, bleibt die Frage: Woher hatte der Student Robert Hoyzer soviel Bargeld?
"Wir müssen mit der gebotenen Sorgfalt vorgehen, besonders bei einem Beschuldigten, dessen Name in der Öffentlichkeit bekannt ist." Klaus Ziehe






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