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Rosts Verschwörungstheorie

Bundesligastart: Schalkes Torwart wollte die Bagger-Version des Blackouts nicht glauben - DFL prüft Panne.

Bremen. Frank Rost verzog die Mundwinkel und winkte ab, noch bevor er die Frage nach dem Stromausfall im Bremer Weserstadion beantwortet hatte. "Das kann mir keiner erzählen, dass hier ein Kabel durchgebaggert wurde", sagte Schalkes Torhüter nach der 0:1-Pleite seiner Mannschaft zum Bundesliga-Auftakt am Freitagabend beim deutschen Meister. Mittlerweile war es bereits nach Mitternacht. Und Rost legte nach: "Das glaubt vielleicht der Weihnachtsmann. Was haben die denn hier für einen Stromanbieter? Haben die in ganz Bremen nur ein Kabel, oder was? Das geht nicht mit rechten Dingen zu, da spielen andere Dinge eine Rolle, aber das kennt man hier ja."

Eine nähere Erläuterung zu seiner exklusiven Verschwörungstheorie wollte Rost aber nicht abgeben. Der gefrustete Keeper zog den Abgang zum Teambus vor.

Immerhin: Rosts Skepsis bezüglich der im Stadion verkündeten Bagger-Version wurde tags darauf von Energieversorger swb bestätigt. Kein Baufahrzeug, sondern eine defekte Muffe (Verbindungsteil) an einer Hauptstromleitung soll für den 65-minütigen Stromausfall und die damit verbundene Spielverzögerung gesorgt haben. "Die Schuld lag nicht bei uns, es war eben höhere Gewalt", sagte Werder Bremens Marketingchef Manfred Müller und wirkte erleichtert. Der Stromversorger und die Bremer Stadionverwaltung werden der Deutschen Fußball-Liga (DFL) heute einen detaillierten Bericht zu den Ursachen zukommen lassen, um den Vorfall abzuschließen. Wilfried Straub hatte diese Aufklärung eingefordert.

Im Gegensatz zum Stadion hatte der DFL-Geschäftsführer während der spontanen Krisensitzungen in der "kleinen Polizeiwache" der Arena mächtig unter Strom gestanden. Bei den Diskussionen um einen Anpfiff ohne TV-Übertragung soll sich Straub zunächst die Zusicherung der Fernsehsender geben lassen haben, dass sie keinerlei Regressforderungen an die DFL stellen würden. Als dann auch noch das Flutlicht ausfiel, war diese Garantie aber hinfällig. Dennoch werden keine Schadensansprüche erwartet.

"Es ging nicht um die Sicherung der TV-Übertragung, sondern nur um die Sicherheit der Zuschauer. Deshalb haben wir auch die Durchsagen im Stadion eingestellt, weil sie nur für Unruhe gesorgt haben. Wir waren jederzeit Herr der Lage", sagte Straub nach dem Spiel, gab aber zu: "Hätte die Situation nur zwei Minuten länger gedauert, hätten wir das Spiel absagen müssen. Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen."

Ob eventuell sogar Computer-Piraten, sogenannte Hacker, hinter den kurioserweise exakt auf die jeweils vorgesehenen Anpfiffzeiten abgestimmten Stromausfällen stecken, konnte bislang weder bestätigt noch widerlegt werden. Sowohl der Stromversorger als auch TV-Verantwortliche sollen aber Untersuchungen in diese Richtung vorgenommen haben. Hintergrund: Vor zwei Jahren hatten Hacker in Hamburg bei der Simulation eines Derbys HSV - St. Pauli bewiesen, dass sie in das Computernetz der HEW gelangen und kurz vorm Anpfiff die Stromversorgung der AOL-Arena und des angrenzenden Stadtteils lahmlegen konnten. Ein Blackout wie in Bremen.

Michael Pfad, Geschäftsführer der von der DFL beauftragten TV-Produktionsfirma "Fair Play GmbH", will sich ebenfalls Klarheit über die Ursachenlage verschaffen: "Für mich zählt in erster Linie die Klärung der Frage, ob Mensch oder Maschine hinter diesem Stromausfall stecken."

Der große Verlierer des Rekordspiels - es war das späteste der Bundesligageschichte - war die ARD. Zwar sahen sich durchschnittlich 4,37 Millionen Fans die Liveübertragung samt Telefon-Kommentar von Gerhard Delling an, aber die mangelhafte Informationslage während der Verzögerung sorgte für jede Menge Kritik. Bei der ARD soll es zu mehreren Streitigkeiten zwischen Bremen und Köln gekommen sein, deren Klärung anhält.

 

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