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Serie: Wie auf Pferderennbahnen und in Wettbüros versucht wird, illegal das schnelle Geld zu machen - und was dagegen unternommen wird

Wenn der Favorit hinkt, klingelt's in der Kasse

Donnerstag, kurz vor 22 Uhr, vorletztes Rennen auf der Trabrennbahn in Hamburg-Bahrenfeld. Neun Pferde bereiten sich auf den Start vor. Viel zu...

Donnerstag, kurz vor 22 Uhr, vorletztes Rennen auf der Trabrennbahn in Hamburg-Bahrenfeld. Neun Pferde bereiten sich auf den Start vor. Viel zu gewinnen gibt es nicht: 825 Euro werden in der Prüfung ausgeschüttet: 400 für den Sieger; der Vierte wird mit 75 Euro abgespeist. Das Futter ist teurer. Zu wenig zum Leben für Fahrer, Trainer und Betreuer, aber auch ein bisschen zu viel zum Sterben. Also drehen sie weiter ihre Kreise - auch wenn's finster aussieht.

Die Wetter frösteln. Wegen der klammen Atmosphäre auf der Bahn, aber auch wegen der Quoten. Gewinnt der Favorit, gibt es kaum mehr als den Einsatz zurück. Ganz anders sieht es aus, wenn das hoch gewettete Pferd wegen Galoppierens disqualifiziert wird oder formschwach hinterherhinkt. Dann machen Außenseiter die Wette "rund", wie es im Zocker-Jargon heißt. Optimiert wird die Gewinnaussicht, wenn Eingeweihte schon vorher wissen, welcher Favorit später patzt. Und wenn sich dann Fahrer und Wetter den Reibach teilen, kommt doppelt Freude auf. Zum Leidwesen der ehrlichen Sportsfreunde, die ihr Geld gutgläubig in den Totalisator einzahlen.

Offiziell gibt es solche Tricks nicht. Unter der Hand wird eine andere Sprache gesprochen. Je mauer die Preisgelder, desto größer die Verlockung, anderweitig Kasse zu machen. So dass Paragraf 263 Strafgesetzbuch greift: Betrug!

Nicht immer ist die Beweislage so klar wie bei jenem Hamburger Trainer und Fahrer, dessen Fall aktuell vor Gericht steht. Er war so dreist und platzierte seine Wettscheine persönlich bei einem Buchmacher auf St. Pauli, sich seines vermeintlichen Coups auch noch brüstend. Denn die Wette traf. Wobei auffiel, dass der Profi seine Kreuze bei den Außenseitern getätigt hatte - sein Traber, der Favorit, war nicht markiert. Schlimmer noch: Der Mann trainiert und fährt immer noch.

Andere sind cleverer. So wie der Aktive aus dem nördlichen Umland. Ist sein Seriensieger unpässlich (oder soll es ganz gezielt sein...), lässt er das diskret einen Freund wissen. Dieser schlägt am Toto zu. Oder, noch listiger, bei einem privaten Wettanbieter. Weil er dann die Rennbahnquote mit seinen Einsätzen nicht drückt. Tatort: ein Wettgeschäft im Osten der Hansestadt. Eine Minute vor dem Start betrat ein unbekannter Kunde den Laden, setzte 1500 Euro auf einen Außenseiter und verließ die Räumlichkeiten wenig später mit 9000 Euro. Der Favorit hatte gefloppt.

"Es gibt immer wieder Versuche des Wettbetrugs", weiß Claudia Losehand, Geschäftsstellenleiterin des gleichnamigen Wettbistros in der Schanzenstraße und Vorstandsmitglied des Deutschen Buchmacher-Verbandes. "Je geringer Preisgelder und Verdienstmöglichkeiten, desto größer ist die Gefahr von Manipulationen." Spezielle Computerprogramme sollen größtmöglichen Schutz gewähren. So wird Alarm gegeben, wenn ungewöhnlich hohe Einsätze, Wetten auf Riesenaußenseiter oder mehrere Scheine mit identischen Tipps angegeben werden. Oder wenn die Platzquoten für die Ränge eins bis drei deutlich höher sind als die viel schwieriger zu treffende Siegquote. "Langmachen", nennen das die Rennbahngangster.

Solche Coups sind simpel umzusetzen, ohne viele Mitwisser einzuweihen. Oder schnellen Pferde Beruhigungsmittel ins Futter mischen zu müssen. Mit Vorliebe werden kleinere Rennen gegen Ende einer Veranstaltung ausgewählt, wenn die Umsätze gering sind. Mit ein paar hundert Euro lässt sich das Wettgeschäft leicht beeinflussen. Mit gezielten Platzwetten auf Außenseiter und der Folge, dass die Platzquote des "unverlierbaren" Favoriten in die Höhe schnellt. Bei Buchmachern abseits der Bahn, gern auch in anderen Städten, können Strohmänner dann leichte Beute machen. Konsequenz dieses Treibens: Die privaten Wettbüros haben ihre Geschäftsbedingungen geändert. Klaffen Sieg- und Platzquoten erheblich auseinander, dürfen sie korrigiert werden. Was den Reiz für Betrügereien mindert.

Wirksamstes Mittel wider Lug und Betrug bleibt eine Sanierung des Galopp- und Trabrennsports. So dass die Aktiven im Beruf wieder ihr Auskommen haben. Dieser Wunsch jedoch ist von der Realität weiter entfernt denn je.

 

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