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Gastkommentar von Corny Litmann

Versteckspiel verursacht Probleme

Corny Littmann, Präsident des FC St. Pauli, bezieht Stellung zum jüngsten Teil der Tabu-Serie im Abendblatt. Der schwule Vereinsboss kann die Sorgen homosexueller Fußballer verstehen.


Foto: Witters

Das Interview lässt das Dilemma der Betroffenen mehr als erahnen. Während die Öffentlichkeit danach zu gieren scheint, wer ES denn nun ist, weil es doch welche geben müsse nach aller Logik und Statistik, quält sich der schwule Fußballer mit ganz anderen Problemen. Und die sind typisch für einen Schwulen, der berechtigte Angst hat, sich in seiner beruflichen oder privaten Umgebung zu outen. Für einen Heterosexuellen ist es kaum vorstellbar, welche ungeheure Energie ein schwuler Kicker aufwenden muss, um das Anderssein zu verbergen. Nicht täglich, nein, stündlich, minütlich, überall und immer lauert die Gefahr, entdeckt zu werden. Das muss einem Menschen auf Dauer schaden, dieses ewige Versteckspiel und Doppelleben.

Besonders im Männersport Fußball, der im Konkurrenzkampf der Profis keine Schwäche duldet, kaum Erbarmen kennt. Und wenn man dann noch mit einem Trainer wie Christoph Daum gesegnet ist (Daum hatte sich im Mai abfällig über Homosexuelle geäußert, d. Red.), mag sich jeder ausmalen, welche täglichen Ängste und Höllenqualen ein schwuler Spieler erleidet. Ja, es stimmt, einer, der den Mut hätte, sich öffentlich zu bekennen, wäre auf Jahre hinaus ein Held, nicht nur in der schwulen Gemeinde. Aber was dann auch über ihn hereinbricht, Spott, persönliche Diffamierungen und die Geier des Boulevard - das mag ich mir nicht ausmalen. Mit dem Etikett des "ersten schwulen Fußballers" geschmückt zu werden, kann ein zweifelhaftes Vergnügen werden. So wünschenswert der Tabubruch wäre, so sehr kann ich nachvollziehen, dass jeder Nationalspieler das Bundesverdienstkreuz vorzieht.


Corny Littmann (56) ist Präsident des FC St. Pauli und bekennender Homosexueller.

 

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