Mittwoch, 16. Mai 2012, 13:27

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Hamburger protestieren

Primarschulreform

Ja schöne neue Welt - Chancengleichheit, Toleranz und Integration wird nur abends nach 20 Uhr in der schicken Szenekneipe diskutiert und eingefordert. Aber bitteschön nicht im "richtigen" Leben. Da sollen doch die schwachen oder sozial weniger gut gestellten Familien und deren Kinder bitte nicht ihren Kindern die Zukunft verderben. Die Demonstranten sollten sich ob ihrer Intolerenz und ihres Schmalspurdenkens im Bildungsbereich schämen. Selektion und blinder Ehrgeiz sind der Lebensinhalt wenn sie ihre Kinder schützend wegsortieren. Was für ein Weltbild wird diesen Kindern vorgelebt?

Thomas Wagner

Für das Abendblatt mögen die 4-5.000 Demonstranten (incl. Kindern) vom Wochenende ja durchaus "tausende" gewesen sein; für mich bzw. im Vergelich zu früheren Bildungsdemonstrationen waren es jedoch lediglich "ein paar Tausend"?

Edith Aufdembrinke

Das Niveau auf dem sich die Hamburger GAL?Abgeordneten auf Klausur-Tagungen bewegt wird durch die arrogante Äußerung gegenüber den Anti-Schulreform-Demonstranten deutlich: ?Haben Sie mit Klunkern geworfen??. Gut für die Fraktionsvorsitzende Anja Fegebank, dass nur wenige Hamburger wissen wie gut dotiert führende Grüne, wie etwa Frau Goetsch oder Herr De Lorent sind. Mal sehen, welche Klunker die beiden demnächst ausstreuen, um die Primarschule durchgesetzt zu bekommen!

N. Rasch

Die Zeiten, in denen die, die am Samstag demonstriert haben, die Grünen gewählt haben, scheinen endgültig vorbei zu sein. Eher führen die Grünen irgendwann das Kopftuch ein, als Politik zu machen, für die, die den Laden Deutschland noch zusammenhalten. Ob die Positionierung der 68er und Ihre Klunker-Hasser aufgeht wird sich zeigen: Die Wochmarktgänger haben nämlich inzwischen Kinder und da gehts um mehr als nur Bio!

Christian Soring

Sehr geehrte Redaktion,

das Rahmenkonzept zur Schulreform von Frau Goetsch und auch der Referentenentwurf zur Gesetzgebung umfassen viel mehr als nur die Frage ob die Grundschule 4 oder 6 Jahre dauert. Leider reduziert sich Ihre Berichterstattung immer mehr auf das Problem der Gymnasialkinder aus den Elbvororten. Das wird nicht nur den Kindern aus den Elbvororten, sondern ganz Hamburgs nicht gerecht. Ein Skandal ist die Abschaffung des Elternwahlrechts zugunsten der Entscheidung eines Lehrer-Kollektivs. Das ist totalitäre Ideologie, und das kann eigentlich kein demokratischer Politiker (geschweige denn Wähler...) wollen. Eine Mogelpackung par exellence ist der Slogan vom längeren gemeinsamen Lernen. Tatsächlich werden die Klassenverbände, die gerade in sozial schwachen Gegenden Hamburgs leider oft die einzige funktionierende soziale Gemeinschaft bilden,auseinandergerissen. Auch der Klassenlehrer als feste Bezugsperson, ebenfalls leider oft die einzige Konstante im sozialen Umfeld der Kinder, entfällt dann zugunsten eines Lehrerkollektivs. Wer ist denn dann wirklich zuständig? Wer ist denn dann noch ansprechbar für die Kinder bei akuten Problemen, wenn der Lehrer gerade zu seiner anderen "Dienststelle" pendelt? Es gibt noch so viel mehr Details dieser Reform, die nicht nur unsere Kinder, sondern letztlich auch uns alle als Gesellschaft betrifft. Als Zeitung für ganz Hamburg und seine Bürger erwarte ich eine differenziertere Darstellung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Katharina Zuhorn

Wow. Das war ja eine enorme Protestwelle, mit der die neue Revolutionsromantik von der Peripherie bis ins Stadtzentrum schwappte! Ein, jawohl, Fanfarenstoß, der die gedemütigte Klasse der Perlohrringe zum letzten Gefecht gegen die Knechtschaft aufwühlte. 5000 Leute, pro Erwachsenem mitgeschleppte 1,37 Kinder mitgerechnet, die die herrschende Klasse ins Mark erschütterten. Das Schülerprotestchen vom März 1977 (2500) war nichts dagegen! Ansonsten Dank dem Kommentator, dass er mal wieder ausgesprochen hat, dass das bürgerliche Lager tief enttäuscht sei von der Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium. Und obendrein: gerade wir anderen auch! Oder war damit etwa nicht die vor kurzem auf acht Jahre kupierte Gymnasialzeit gemeint?

Daniel Petersen

Eigentlich wollen wir doch alle "Chancengleichheit" oder? Christa Götsch möchte das auch, schließlich ist sie Schulsenatorin und wenn man sich ihr Infoblatt über die Schulreform mal durchliest, steht da auch genau das drin. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie niemandem die Bildung "klauen" will. Bis jetzt werden die Kinder nach vier Jahren aussortiert, damit die Leistungsstärkeren nicht mehr "gebremst" werden und die Leistungsschwächeren besser "gefördert" werden können. Tolle Worte. Eine gute Idee. Aber so wie im jetzigen System klappt das nicht, dass wissen wir alle. Der Ansturm auf die Gymnasien ist viel zu groß, viel zu viele Kinder kommen ohne Empfehlung auf ein Gymnasium und gehen nach spätestens zwei Jahren wieder ab. Das habe ich selbst in meiner Klasse erlebt. Die Real- und Hauptschulen haben dagegen oft so einen schlechten Ruf, dass selbst den Schülern dort jede Motivation fehlt sich anzustrengen. Ich bin der Meinung, dass Schüler überhaupt nicht auf verschiedene Schulen sortiert werden sollten. Jeder Schüler sollte von Anfang an die Möglichkeit haben, von seinen Stärken zu profitieren und aus seinen Schwächen zu lernen. Dies kann aber nur passieren, wenn man in seinen "guten" Fächern mit Schülern zusammen unterrichtet wird, die ebenfalls leistungsstärker sind und in den Fächern, die einem nicht so leicht fallen einen intensiveren Kurs belegt, am Besten sogar Hilfe von anderen Schülern bekommt. Das Kurs-System der Gesamtschulen ist meiner Meinung nach der richtige Ansatz, doch ein solches System funktioniert nur richtig, wenn es eine Mischung aus Leistungsstarken und Leistungsschwachen Schülern gibt. Wie schon der Name sagt "Gesamtschule", eine Schule für die "gesamten" Schüler. Zwar ist diese Schulereform ist wieder nur ein Kompromiss, einer der vielen Kompromisse, die Demokratie nun mal mit sich führt. Aber sie ist meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Schritt in Richtung Chancengleichheit.

Wiebke N., 16 Jahre

Es ist schon verwunderlich. Eine Masse von älteren Leuten, die ihre Kinder an den Händen hinterher zerren auf einem Platz zu sehen, um für Bildung zu demonstrieren. Eine echte Überraschung war allerdings, den Slogan zu hören, der schon in Schleswig-Holstein bei den Bildungsdemos gerufen wurde "Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!". Als damaliger Demonstrant, der zwischen lauter Schülern für mehr Gerechtigkeit und mehr Investitionen gekämpft hat, ist es eine bittere Ironie, wenn nun die damalige Gegenseite gegen genau diese Ziele demonstriert und dafür den damaligen Slogan missbraucht. Während wir damals symbolisch unsere letzten Hemden für die Bildung gaben, kämpfen die Damen und Herren aus den "guten" Häusern nun, gegen eine Anhebung des Bildungsetats. Passend war die Protestaktion ein paar Künstler, die mit ihren Schildern "Elite macht Profite" und "Herkunft muss sich wieder lohnen" viel mehr die eigentlichen Aussagen der Demonstranten auf zu greifen, als die platten oder geklauten Parolen. Die wirklich betroffenen, die Schüler, sind der Demonstration entweder fern geblieben, oder haben sich ihr entgegengestellt, dies zeigt wohl, was von der Demonstration zu halten war.

Lennart Holst

Frau Goetsch ist wahrscheinlich die geschickteste und langfristig die erfolgreichste gruene Politikerin im Norden. Ihr Ziel ist es, bei der naechsten Buergerschaftswahl fuer die GAL genug Stimmen zu gewinnen, um als Koalitionspartner fuer SPD und CDU unverzichtbar zu werden und idealerweise zwischen beiden Partnern auswaehlen zu koennen. Schluessel zu diesem Erfolg kann die Schulpolitik werden, die schon in vielen Bundeslaendern das wahlentscheidende Thema war. Und auch in Hamburg koennte es so kommen, wenn Frau Goetsch mit Mut und Hartnaeckigkeit ihre Politik fortsetzt. Die Gleichmacherei und Nivellierung in der Bildungspolitik wird den Gruenen die Sympathie des gesamten linken Lagers sichern. Fuer CDU-Waehler ist der jetzt begonnene Weg zur Einheitsschule Grund genug, am Wahltag resigniert zu Hause zu bleiben. Wenn Frau Goetsch sich von den protestierenden buergerlichen Waehlern jetzt nicht verunsichern laesst, legt sie damit wahrscheinlich den Grundstein fuer den grossten Wahlerfolg der Hamburger GAL. Der Preis fuer Frau Goetschs Erfolg ist ein ruiniertes Schulsystem in Hamburg. Aber das scheint ohnehin keinen Politiker ernsthaft zu interessieren.

Christian Schnee

Liebe Abendblatt-Leserbriefe-Redaktion,

die doch eher mäßige Teilnahme an der Demo zeigt, dass die meisten Schüler und Eltern in Hamburg für die Schulreform sind, denn sie vermindert tatsächlich die soziale Spaltung und gibt allen Kindern gleiche Chancen. Die Aufspaltung der Kinder im Alter von 10 Jahren ist willkürlich, es sind Kinder, die mitten in ihrer Entwicklung sind. Kinder lernen von Kindern besser und sie lernen dabei, wenn sie ihren Mitschülern Dinge erklären. Warum sprechen einige Demo-Eltern ihren eigenen Kindern diese Fähigkeiten ab? Tatsächlich ist die Mehrheit der Eltern für die Schulreform, wie eine Umfrage belegt. Daran können auch die lauten Gegner nichts ändern. Die Parolen der Gegner sind hohl und ohne Hintergrund, wissenschaftlich widerlegt oder ganz einfach falsch.

Mit freundlichen Grüßen,

Sonja Isaacs

Liebes Abendblatt- Team,

nachdem ich Ihren Bericht über die "Bildungs-Demo" gelesen habe, muss ich mich auch einmal zu Wort melden. Ich, Mutter von drei Kindern, akademischer Mittelstand, bin sehr wohl für die Bildungsreform. Es ist falsch, dass es immer heißt, dass Elternwahlrecht würde abgeschafft werden. Es gab ab Klasse 6 nie ein Elternwahlrecht, sondern schon immer eine Abstimmung der Klassenkonferenz. Desweiteren bin ich der Meinung, dass nur die Schulreform, und zwar im erweiterten Sinne mit 10 Jahren gemeinsamen lernen, eine Chancengleichheit für schwächere Schüler darstellt. Wenn man sich die Zahlen und Fakten von berufsfördernden Schulen, Hauptschulen oder Schulabbrechern anschaut, kann man schnell feststellen, das der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund oder aus sozial schwachen Familien, besonders groß ist. Ich empfinde es als eine Farce,wenn bildungsnahe Eltern, die ihre Kinder auf jede erdenkliche Art und Weise fördern können, dieses anderen Kindern aus bildungsfernen Familien verweigern wollen. Das bisherige Schulsystem konnte nur den mittleren Bildungsbereich einer Klasse abdecken, endlich ist es einer Schulsenatorin auch einmal wichtig, die Besseren, genauso wie die Schwächeren Schüler zu fördern. Ich unterstütze Frau Götsch und hoffe sehr, das den elitären Eltern dieser Demonstration, durch Gespräche einmal die Augen geöffnet werden und ein Blick auf das "wahre" Leben in einer Schule in einem sozial schwachen Wohngebiet, gerichtet werden. Es wäre schön, wenn Sie als neutrale Berichterstattung, auch einmal die beführwortenden Eltern dieser reform, anhören würden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Susann Koefod-Mai

Sehr geehrte Redaktion!

Die Argumente der Gegner der Schulreform wirken wenig überzeugend. Denn die Akteure verteidigen lediglich ihren Status-Quo, anstatt eigene Alternativen aufzuzeigen. Besitzstandswahrung zu Lasten einer chancengerechten Gesellschaft, wie es sie in vielen Ländern Europas gibt. Die Politik ist deshalb gut beraten, ihre Kritiker von der emotionalen zu einer sachlichen Ebene zu führen. Denn da hat sie die besseren Karten!

Rasmus Ph. Helt

Recht hat Frau von Rehlingen mit ihrer Prognose, dass die Schulreform von Senatorin Goetsch dem Bildungsniveau an Hamburgs Schulen extrem schaden und die Berufsperspektiven der nächsten Schülergeneration verdürstern wird. Frau von Rehlingen nennt sehr richtig auch die Antwort auf diese unsinnige Bildungspolitik der Hamburger GAL: Eltern werden ihr Kinder auf Privatschulen anmelden. Als in den 60er und 70er Jahren die englische Regierung gemeinsamen Unterricht für leistungsstarke und leistungsschwache Schüler verordnete, erlebten Privatschulen einen Boom wie noch nie zuvor. Heute sind die Gemeinschaftsschulen in England ein Sammelbeckene für schwache Schüler, die Talentierten werden privat unterrichtet. Ist das sozial gerecht? Nein, ist es nicht. Aber das scheint die Hamburger Grünen und Christdemokraten nicht zu interessieren.

Christian Schnee

Als eine der vielen Demonstrationsteilnehmer aus dem Hamburger Osten fielen mir die plakativen Äußerungen der Demonstrationsgegner während und nach der Demo auf, z.B. "Unterschicht grüßt Oberschicht". Diese Parolen und die Einstellungen dahinter suggerieren einen Klassenkampf, der in der heutigen Zeit und in dieser Stadt absolut lächerlich wirkt. Im Namen vieler Tausender von Eltern ohne eigenen gymnasialen oder akademischen Hintergrund, deren Kinder direkt auf Hamburger Gymnasien oder über die bisherigen vielfältigen anderen Möglichkeiten das Abitur geschafft haben, kann ich den Schulreform-Befürwortern nur raten, diese Schlagwörter wieder tief in die historische Mottenkiste zu versenken! Es ist gut, dass die Grundschulen endlich die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen zusteht. Es ist aber absolut illusorisch zu glauben, die Grundschule könnte die Aufgaben, die das Gymnasium in der Beobachtungsstufe Klasse 5 und 6 zu bewältigen hat, einfach übernehmen. Der Hintergrund der ganzen Neu-Struktur ist doch, die schwächeren Schüler zu fördern ? dies muss bereits in der Grundschule in kleinen Gruppen, mit mehr Lehrerstunden und mit mehr gut ausgebildetem Personal erfolgen. Dafür muss man aber nicht im Hau-Ruck-Verfahren die ganze Schulstruktur umstellen! Es ist geradezu sträflich nachlässig, ohne ausreichenden Planungsvorlauf und ohne mehrjährige Modellversuche dies, weil politisch so gewollt, auf dem Rücken der Kinder durchzusetzen. Der Hamburger Senat riskiert, dass ganze Jahrgänge von Schülern als Versuchskaninchen missbraucht werden, und dies in einer Zeit, die weder finanziell noch politisch als sicher gelten kann.

Christel Soltau

Ja schöne neue Welt - Chancengleichheit, Toleranz und Integration wird nur abends nach 20 Uhr in der schicken Szenekneipe diskutiert und eingefordert. Aber bitteschön nicht im \"richtigen\" Leben. Da sollen doch die schwachen oder sozial weniger gut gestellten Familien und deren Kinder bitte nicht ihren Kindern die Zukunft verderben. Die Demonstranten sollten sich ob ihrer Intolerenz und ihres Schmalspurdenkens im Bildungsbereich schämen. Selektion und blinder Ehrgeiz sind der Lebensinhalt wenn sie ihre Kinder schützend wegsortieren. Was für ein Weltbild wird diesen Kindern vorgelebt?

Thomas Wagner

 

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